Berichte

Alexander Melnikov spielte in Gohrisch die 24 Präludien und Fugen. Foto ©: Matthias Creutziger


Ein hochintensives Musikwochenende 

Fünf Ur- und deutsche Erstaufführungen an einem einzigen, musikalisch hochintensiven Wochenende: Die 8. Internationalen Schostakowitsch Tage in Gohrisch hatten für die nahezu 3000 Besucher aus aller Welt, die am letzten Juni-Wochenende in die Sächsische Schweiz strömten, viel Neues und Interessantes zu bieten. Das Festival rückte in diesem Jahr das Schaffen Sofia Gubaidulinas und Mieczysław Weinbergs ins Zentrum. Doch auch die Freunde der Musik Dmitri Schostakowitschs kamen nicht zu kurz. Einer der Höhepunkte war sicherlich die Uraufführung dreier erst vor zwei Jahren in einem Moskauer Archiv aufgefundener Fragmente aus der 1927/28 entstandenen Oper  „Die Nase“, die seinerzeit von Schostakowitsch nicht in die endgültige Fassung aufgenommen worden waren. Lesen Sie hier unseren ausführlichen Festivalbericht: 


Das Quatuor Danel bei den Schostakowitsch Tagen in Gohrisch 2016. Foto ©: Oliver Killig


Große kompositorische Qualität und schöpferische Eigenständigkeit 

Mit einem denkwürdigen Konzert wurden am 24. Juni 2016 die siebten internationalen Schostakowitsch Tage in Gohrisch eröffnet. Dass es keineswegs ein verflixtes siebtes Jahr" sein würde, wusste Tobias Niederschlag, der künstlerischer Leiter des Festivals, in seiner Begrüßungsansprache zu berichten. Schon der Vorverkauf habe gezeigt, wie groß das Interesse an den Gohrischer Musiktagen 2016 ist. Und das, obwohl die Festivalmacher in diesem Jahr durchaus ein Wagnis eingegangen sind, indem sie neben Schöpfungen von Schostakowitsch und Beethoven, Werke des einstigen DDR-Vorzeigekomponisten Hanns Eisler zum Programmschwerpunkt des Festivals erkoren. Im Eröffnungskonzert mit dem begeisternd aufspielenden Quatuor Danel hatte es Hanns Eislers Streichquartett op. 75 nicht leicht, musste es sich doch gegenüber zwei ausgewiesenen Schwergewichten der Kammermusikliteratur – Beethovens Streichquartett Nr. 13 B-Dur op. 130 mit Großer Fuge B-Dur op 133 und Schostakowitschs letztem Beitrag zu diesem Genre, dem Streichquartett Nr. 15 es-Moll op. 144  behaupten. Gleichwohl zeigte es sich, dass Eislers einzigem Beitrag zur kammermusikalischen Königsdisziplin große kompositorische Qualität und schöpferischere Eigenständigkeit innewohnt. Höchste Zeit also, sich wieder etwas intensiver mit dem Œu­v­re des Schönberg-Schülers zu beschäftigen. Die Schostakowitsch Tage Gohrisch 2016 boten hierzu ausgiebig Gelegenheit. Einen ausführlichen Bericht über das Festival finden Sie hier    


Humanistische Grundüberzeugung 

Trennendes und Verbindendes: Schostakowitsch und Eisler

Drei Komponisten, die im weitläufigen Sinne – eben auch – politische Künstler waren, standen im Mittelpunkt der 7. Schostakowitsch Tage Gohrisch 2016: Ludwig von Beethoven, Hanns Eisler und Dmitri Schostakowitsch. So groß die ästhetischen, biografischen und rezeptionsgeschichtlichen Unterschiede zwischen den drei Künstlerpersönlichkeiten auch sein mögen, eint sie doch eine zutiefst humanistische Grundüberzeugung, die ihren Werken eingeschrieben ist. Dieser nachzuspüren hatten die Festivalbesucher nicht nur bei den insgesamt sechs annähernd ausverkauften Konzerten Gelegenheit, sondern auch bei einem außergewöhnlich gut besuchten musikwissenschaftlichen Vortrag der renommierten Eisler-Expertin Friederike Wißmann, Professorin an der Universität Bonn, und einer sich anschließenden Podiumsdiskussion, die Tobias Niederschlag, der künstlerische Leiter der Schostakowitsch Tage moderierte. Friederike Wißmann, der polnische Komponist, Schostakowitsch-Biograph und Präsident der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft Krzysztof Meyer, der Publizist und Schostakowitsch-Experte Bernd Feuchter, sowie der Konzertpianist Peter Rösel setzten sich hierbei mit dem Thema „Schostakowitsch und Eisler. Komponieren im Schatten des Eisernen Vorhangs“ auseinander. Mehr: 


Kunstgenuss und Naturerlebnis in Gohrisch

„Die Landschaft ist unerhört schön“, schwärmte Dmitri Schostakowitsch in einem Brief an seinen Freund Isaak Glikman. Zweimal weilte der russische Komponist in Gohrisch, einem kleinen Kurort in der Sächsischen Schweiz. Bei seinem ersten Aufenthalt im Jahr 1960 komponierte er dort sein 8. Streichquartett.  Seit 2010 pilgern die Freunde der Musik des großen Russen alljährlich nach Gohrisch, um den weltweit einzigen, regelmäßig stattfindenden  Schostakowitsch-Festival beizuwohnen. Karlheinz Schiedel beschwört in einer Reisereportage den Genius Loci, wo Kunstgenuss und Naturerlebnis eine fast schon symbiotische Beziehung eingehen. 

Der Artikel erschien in leicht gekürzter Form in der Badischen Zeitung, Freiburg 


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