Deutsche Schostakowitsch Gesellschaft e.V.

Dmitri Schostakowitsch, 12. September 1906   9. August 1975


Willkommen auf unserer Webseite!

Die Deutsche Schostakowitsch Gesellschaft beschäftigt sich mit der Pflege und Verbreitung des künstlerischen Werkes von Dmitri Schostakowitsch.

Hier finden Sie Informationen über den Komponisten und seine Musik, sowie über die Gesellschaft und ihre Aktivitäten, und Sie können auch Ihre Fragen stellen und Meinungen äußern. Bei uns finden Sie Musikspezialisten und viele Freunde, die die Zuneigung zu Schostakowitsch und seiner Musikwelt zusammengeführt hat. 

  • Wenn Sie auch Schostakowitsch und seine Musik lieben, werden Sie Mitglied! Wir freuen uns auf Sie! Sprechen Sie uns an: Info@Schostakowitsch.de. Weitere Informationen zur Mitgliedschaft finden Sie hier


News 

Ganz großes Kino: Frank Strobel und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin bei der Aufführung von Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" mit der Musik von Schostakowitsch. Foto: © Markus Werner


Tobende Gewalt und brütende Ruhe

Frank Strobel stellt in Berlin seine Schostakowitsch-Fassung für den Stummfilmklassiker „Panzerkreuzer Potemkin“ vor

Von Bernd Feuchtner

Da Dimitri Schostakowitsch ein versierter sowjetischer Filmkomponist war, liegt die Verbindung zwischen Sergej Eisenstein und ihm nahe. Es hat auch in Russland schon einen Versuch gegeben, dem Stummfilm „Panzerkreuzer Potemkin“ Musik von Schostakowitsch zu unterlegen – mit mäßigem Erfolg. Im Gegensatz zu „Alexander Newski“ und „Iwan der Schreckliche“, wo der Regisseur die Filmmusik mit Sergej Prokofjew gemeinsam entwickelte, wollte Eisenstein die musikalische Untermalung dieses Films über den Matrosenaufstand von 1905 vor Odessa dem jeweiligen Aufführungsort überlassen. In Moskau war das 1925 Musik von Tschaikowsky, Beethoven usw. Für die Berliner Erstaufführung 1926 schrieb Edmund Meisel eine Partitur, die vor einiger Zeit rekonstruiert und in Livekonzerten wieder aufgeführt wurde.

Der renommierte und erfahrene Filmmusik-Dirigent Frank Strobel hatte eine eigene Idee: Er setzte eine neue Partitur zusammen, indem er dem Film über 100 Schnipsel aus den Schostakowitsch-Sinfonien Nr. 4, 5, 8, und 11 unterlegte. Die Elfte trägt die Revolution von 1905 ja schon im Titel und ist so illustrativ, dass sie sich von selbst anbietet. Für den Beginn wählte Strobel allerdings den Anfang der Vierten mit seinen drei gellenden Signalen und dem unbarmherzig stampfenden Tritt der Zeit – alarmierender hätte der Film nicht beginnen können.

Auf dem Podium des Konzerthauses hatte das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin in großer Besetzung Platz genommen. Die Musiker des RSB spielten die ganze Klangmacht der Schostakowitsch-Partituren aus – sei es in größter Schärfe und brüllendem Toben, sei es in leisen Nuancen kontemplativer Passagen und trauernder Episoden. So ganz nebenbei wird einem bewusst, wieviel Gewalt die Musik Schostakowitschs aus seiner gesellschaftlichen Umgebung aufgesogen hat und wieviel ohnmächtiges Brüten in ihren ruhigen Flächen ruht.

Für die Szenen des Aufruhrs, die Schilderung des kameradschaftlichen Lebens der Matrosen und der niederträchtigen Haltung der Offiziere fand Strobel genügend Material. Er verknüpfte die meist kürzeren Schnipsel so meisterhaft miteinander, dass kaum harmonische oder klangliche Schnitte hörbar werden. Den dritten Akt mit seiner umfänglichen Ausbreitung der Trauer um den getöteten Matrosenführer unterlegt Strobel allerdings mit einer längeren Passage aus der Elften, in der der Hymnus „Unsterbliche Opfer, ihr sanket dahin“ verarbeitet ist. Da hat man dann die Gelegenheit, in Ruhe den geschickten Aufbau dieser Ausdehnung der Trauer und des Entsetzens auf die gesamte Bevölkerung zu beobachten – dass dies ein Propagandafilm war, ist ja kein Geheimnis. Erst zum Schluss, als die Trauer umschlägt in den Aufstand, wird auch die Musik wieder erregt.

Zwiespältig die Wirkung des sarkastischen Scherzos der Fünften als Unterlegung des fröhlichen Aufbruchs der Boote, mit denen die Bevölkerung den Panzerkreuzer mit Lebensmitteln versorgt: die Bilder bekommen dadurch etwas Putziges. Es ist also nicht so, dass Strobel den Propagandaeffekt nicht auch leise ironisch kommentieren würde. Bei der Treppenszene spielt er die Gewalt der feuernden Soldaten wieder mit den Gewehrsalven aus der Elften drastisch aus. Schostakowitschs martialische Musik lädt jedes Bild mit Schrecken auf und lässt dem Publikum das Blut in den Adern gefrieren. Der Warnschuss des Panzerkreuzers richtet sich gegen – das Theater, das hier als Symbol der Bourgeoisie gilt. Glücklicherweise wurden bei den Dreharbeiten nur ein paar Löwenstatuen als pars pro toto gezeigt und zerstört.

Die Begegnung der Aufständischen mit dem Admiralsgeschwader ist mit dem Scherzo der Achten unterlegt – diese Musik treibt unerbittlich voran. Zusammen mit den Bildern wird sinnlich erfahrbar, wieviel Zwang, Getriebensein und Angst in dieser Musik steckt. Frank Strobel leitet die Aufführung mit Verve und liebevollem Verweilen, punktgenau zu den Filmszenen. Die Musiker des RSB haben sicht- und hörbar Spaß dabei und außerdem gibt es wunderschöne Soli zu spielen. Das Publikum im gut verkauften Saal war dann geplättet und glücklich.


Spannend und ertragreich: Das 20. Musikwissenschaftliche Symposium

Anregende Diskussionen: Stefan Weiss, Gerhard Müller und Dorothea Redepenning. Foto: © Linus DieckmannAnregende Diskussionen: Stefan Weiss, Gerhard Müller und Dorothea Redepenning. Foto: © Linus Dieckmann

Die Erleichterung war Bernd Feuchtner, dem Präsidenten der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft am Ende des 20. Musikwissenschaftlichen Symposiums, das am 24. und 25. September 2021 in Berlin stattfand, deutlich anzumerken. Die Covid-Pandemie hatte die Organisatoren vor erhebliche Probleme gestellt, viele Steine waren aus dem Weg zu räumen, Raumnutzungskonzepte wurden im Vorfeld erstellt und mussten wegen der Corona-Beschränkungen bald darauf wieder verworfen werden. Am Ende war man froh, mit dem Konzertsaal der Universität der Künste in der Hardenbergstraße und der Aula des Goethe-Gymnasiums in Berlin-Wilmersdorf zwei geeignete und genügend große Räumlichkeiten für das Symposium und – wie schon vor zwei Jahren – mit der Mendelssohn-Remise einen vorzüglichen Veranstaltungsort für das traditionelle Symposiums-Konzert gefunden zu haben. Das Resümee Bernd Feuchtners war schließlich durchweg positiv: die rund 40 Teilnehmenden an der zwanzigsten Auflage des Musikwissenschaftlichen Symposiums, das sich mit dem Thema „Schostakowitschs Musiksprache – Kompositionstechniken und Narrative“ beschäftigte, hatten einen ebenso spannenden wie ertragreichen Vortragsreigen mit regen Diskussionen, anregenden Gesprächen und vielen interessanten Begegnungen erlebt, der das Verständnis für das Werk eines der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts weiter vertiefte. (Den ausführlichen Symposiumsbericht inkl. Konzertvideo finden Sie hier  )

 

Dmitri Schostakowitsch ohne Maske

Nirgends zeigt sich der große sowjetrussische Komponist Dmitri Schostakowitsch so unverstellt wie in den Briefen an seinen besten Freund Iwan Sollertinski, den klügsten Musikwissenschaftler Russlands. Kennengelernt hatten sie sich in Sankt Petersburg (damals Leningrad), als Schostakowitsch 20 war und Sollertinski 24. Beide klebten sofort aneinander wie die Kletten. Und wenn sie getrennt waren, schrieben sie sich Briefe oder Postkarten. Nur die von Schostakowitsch sind erhalten. Sie geben das Bild zweier brillanter junger Künstler, die sich mit Begeisterung in die aktuellen Auseinandersetzungen stürzen und dabei nicht vergessen, das Leben zu genießen. Auch so intim erleben wir Schostakowitsch sonst nirgends. Ab 1935, mit dem Stalin’schen Terror, verändert sich die Tonlage allmählich. Die beiden sind sich nicht mehr so sicher, dass Können und Argumente sich durchsetzen. Der Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion und die Einkreisung Leningrads durch die Nazitruppen trennt die Freunde: Schostakowitsch wird nach Samara (damals Kuibyschew) evakuiert, Sollertinski nach Nowosibirsk. Ein gutes Ende scheint auf, als Schostakowitsch 1943 nach Moskau zieht und dem Freund eine Professur am Moskauer Konservatorium vermittelt. Doch der durch Kriegsentbehrungen und Mobbing in der Leningrader Philharmonie geschwächte Sollertinski erliegt 1944 mit 41 Jahren einem Herzschlag. Für Schostakowitsch war das eine Katastrophe. Seine Briefe bilden ein Monument für eine große Freundschaft und geben intime Einblicke in die kulturpolitische Entwicklung der Sowjetunion.

Jetzt endlich sind die von Dmitri Sollertinski und Ljudmila Kownazkaja herausgegebenen Sollertinski-Briefe Schostakowitschs in deutscher Übersetzung von Ursula Keller und mit einem Vorwort von Bernd Feuchter, dem Präsidenten der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft, versehenen Ausgabe im Wolke Verlag erschienen. Das Buch (251 Seiten, Paperback., € 36.–, ISBN: 978-3-95593-097-4) ist überall im Buchhandel erhältlich.    


Schostakowitsch als Vokalkomponist

Während seine Opern, Sinfonien und Streichquartette zum festen Repertoire der Musikinstitutionen gehören, werden Schostakowitschs Lieder leider noch immer wenig aufgeführt. Findet man sie im Internet oder hat man Aufnahmen auf Tonträgern, fehlt oft der Text, um die Musik wirklich verstehen und genießen zu können.

Dabei hat Schostakowitsch noch mehr Vokalmusik komponiert! Sehr viel mehr, als man vermuten würde. Und dazu sind die Texte noch viel schwerer aufzutreiben.

Um ein größeres Interesse an diesen Werken zu wecken, haben wir diese Sammlung der von Schostakowitsch vertonten Texte zusammengestellt, die wir Ihnen hier zum kostenlosen Download zu Verfügung stellen. Klicken Sie einfach auf die nebenstehende Vorschau. (Diese Datei wurde zuletzt am 18. Oktober 2021 aktualisiert).

Unser Schostakowitsch-Textbuch ist noch im Aufbau, wird aber fortlaufend ergänzt. Vielleicht können ja auch Sie dazu beitragen? Schreiben Sie uns, wenn Sie uns noch fehlende Texte zur Verfügung stellen möchten: info@schostakowitsch.de


Kostenloser Download unserer Schostakowitsch-Studien

Band 1


Band 2


Band 3


Band 4


Band 5


Band 6


Band 8


Band 9


Band 10


Band 11


Die Deutsche Schostakowitsch Gesellschaft stellt ab sofort die nicht mehr im Buchhandel erhältlichen Bände ihrer Schostakowitsch-Studien zum kostenlosen Download bereit. Die Bände enthalten im Wesentlichen Vorträge, die seit 1992 im Rahmen unserer Musikwissenschaftlichen Symposien von renommierten Musikwissenschaftlern und Musikwissenschaftlerinnen gehalten wurden und stellen einen überaus wertvollen Beitrag zur internationalen Schostakowitsch-Forschung dar. Sie sind zwischen 1998 und 2014 im nicht mehr existierenden Verlag Ernst Kuhn, Berlin erschienen. Durch Anklicken des Titelbildes startet der Download des jeweiligen Bandes. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Übersichtsseite. 


Zu unserem News-Archiv:  2021   2020   2019  2018   2017   2016  2015  2010 bis 2014

E-Mail