Deutsche Schostakowitsch Gesellschaft e.V.

Dmitri Schostakowitsch, 12. September 1906   9. August 1975


Willkommen auf unserer Webseite!

Die Deutsche Schostakowitsch Gesellschaft beschäftigt sich mit der Pflege und Verbreitung des künstlerischen Werkes von Dmitri Schostakowitsch.

Hier finden Sie Informationen über den Komponisten und seine Musik, sowie über die Gesellschaft und ihre Aktivitäten, und Sie können auch Ihre Fragen stellen und Meinungen äußern. Bei uns finden Sie Musikspezialisten und viele Freunde, die die Zuneigung zu Schostakowitsch und seiner Musikwelt zusammengeführt hat. 

  • Wenn Sie auch Schostakowitsch und seine Musik lieben, werden Sie Mitglied! Wir freuen uns auf Sie! Sprechen Sie uns an: Info@Schostakowitsch.de. Weitere Informationen zur Mitgliedschaft finden Sie hier


News 

21. Musikwissenschaftliches Symposium 2023

„Schostakowitsch in der europäischen Kulturgeschichte“

Von Bernd Feuchtner

Im Zentrum der europäischen Kulturgeschichte: Schostakowitsch mit Beethoven-Büste. Foto: DSCH Publishers

Schostakowitsch und Stalin – das ist ein ausuferndes Thema geworden, plattgetreten in Buch, Film und Oper. Sicher, der wachsende Terror hat die Entwicklung des Komponisten in eine andere Richtung gelenkt, als er plante. Dass er sich dennoch geistig nicht unterkriegen ließ, lag an seiner Persönlichkeit, die in der Petersburger Intelligentsia geformt worden war. Dort hatte man einen weiteren Horizont als nur den russischen und dann den sowjetischen. Die Moderne war in Kunst, Dichtung und Musik eine gesamteuropäische Erscheinung, war Resultat der Entwicklung aller europäischen Gesellschaften im 19. Jahrhundert. Die russischen Künstler des 19. Jahrhunderts waren viel gereist: nach Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien. An erster Stelle stand Paris als Hauptstadt des 19. Jahrhunderts, aber für Peter Tschaikowsky war Bachs, Mendelssohns und Schumanns Leipzig ebenso wichtig und umgekehrt St. Petersburg für Beethoven, Wagner, Verdi, Mahler. Schostakowitsch hielt sich musikalisch für einen Abkömmling der Wiener Schule, bereichert durch die universale Musik von Mahler und Mussorgski. Es ist bekannt, dass er auch später die Entwicklungen der westeuropäischen Musik aufmerksam verfolgte und seine Schüler damit bekanntmachte. Der Jazz, das Musical, Charlie Chaplin beeinflussten nicht nur seine Unterhaltungsmusik. Die Entfremdungszeichen dort waren auch ihm nicht fremd, Krieg und Judenverfolgung trafen Gesamteuropa. Samuel Beckett beispielsweise war – auch wenn er ihn vielleicht nicht kannte – eine verwandte Künstlerseele. 

Der Eiserne Vorhang hat die europäische Kultur nicht völlig trennen können, unter Künstlern gab es einen stetigen Austausch von Gedanken und Techniken. Diesen Verbindungen – vom Symbolismus über den Futurismus bis zu den Folgen des Totalitarismus (der ja auch eine gemeinsame europäische Erfahrung war) und dem Existentialismus in allen Kunstsparten wollen wir nachgehen. Es ist Zeit, Schostakowitsch aus der Sowjetnische zu befreien.

Unser 21. Musikwissenschaftliches Symposium wird voraussichtlich am 22. und 23. September 2023 stattfinden. Über den Veranstaltungsort und das Programm informieren wir Sie zeitnah an dieser Stelle. 


Jüdische Musik in der Sowjetunion – ein Tagungsband über den Komponisten Alexander Weprik

„Hier macht man Musik wie Druckbleistifte“

Von Bernd Feuchtner

Alexander Weprik (1899-1958) wurde sein Judentum erst zur schöpferischen Quelle, dann aber zum Verhängnis, einem Schostakowitsch-Zeitgenossen, der wie dieser in der frühen Sowjetunion mit Begeisterung am Aufbau einer neuen Musikkultur mitarbeitete. Er galt als große Hoffnung der sowjetischen Musik, hatte internationale Erfolge und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Gesellschaft für jüdische Musik, die aus der jiddischen Folklore neue Energie für die Musik zu ziehen hoffte. Nachdem seine Musik schon beim Göttinger Symposium „Composers in the Gulag under Stalin“ 2010 großen Eindruck gemacht hatte, war ihm am 8. Dezember 2018 in Hannover ein eigenes Symposium gewidmet, dessen Beiträge im hochinteressanten Band 18 der „Jüdische Musik“-Studien erschienen sind. Mehr


Frank Strobel stellt in Berlin seine Schostakowitsch-Fassung für den Stummfilmklassiker „Panzerkreuzer Potemkin“ vor

Tobende Gewalt und brütende Ruhe

Von Bernd Feuchtner

Da Dimitri Schostakowitsch ein versierter sowjetischer Filmkomponist war, liegt die Verbindung zwischen Sergej Eisenstein und ihm nahe. Es hat auch in Russland schon einen Versuch gegeben, dem Stummfilm „Panzerkreuzer Potemkin“ Musik von Schostakowitsch zu unterlegen – mit mäßigem Erfolg. Im Gegensatz zu „Alexander Newski“ und „Iwan der Schreckliche“, wo der Regisseur die Filmmusik mit Sergej Prokofjew gemeinsam entwickelte, wollte Eisenstein die musikalische Untermalung dieses Films über den Matrosenaufstand von 1905 vor Odessa dem jeweiligen Aufführungsort überlassen. In Moskau war das 1925 Musik von Tschaikowsky, Beethoven usw. Für die Berliner Erstaufführung 1926 schrieb Edmund Meisel eine Partitur, die vor einiger Zeit rekonstruiert und in Livekonzerten wieder aufgeführt wurde. Der renommierte und erfahrene Filmmusik-Dirigent Frank Strobel hatte eine eigene Idee: Er setzte eine neue Partitur zusammen, indem er dem Film über 100 Schnipsel aus den Schostakowitsch-Sinfonien Nr. 4, 5, 8, und 11 unterlegte. Die Elfte trägt die Revolution von 1905 ja schon im Titel und ist so illustrativ, dass sie sich von selbst anbietet. Für den Beginn wählte Strobel allerdings den Anfang der Vierten mit seinen drei gellenden Signalen und dem unbarmherzig stampfenden Tritt der Zeit – alarmierender hätte der Film nicht beginnen können. Mehr  

 

Das 20. Musikwissenschaftliche Symposium der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft

Schostakowitsch – Komponist und Erzähler

Von Karlheinz Schiedel

Anregende Diskussionen: Stefan Weiss, Gerhard Müller und Dorothea Redepenning. Foto: © Linus DieckmannAnregende Diskussionen: Stefan Weiss, Gerhard Müller und Dorothea Redepenning. Foto: © Linus Dieckmann

Die Erleichterung war Bernd Feuchtner, dem Präsidenten der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft am Ende des 20. Musikwissenschaftlichen Symposiums, das am 24. und 25. September 2021 in Berlin stattfand, deutlich anzumerken. Die Covid-Pandemie hatte die Organisatoren vor erhebliche Probleme gestellt, viele Steine waren aus dem Weg zu räumen, Raumnutzungskonzepte wurden im Vorfeld erstellt und mussten wegen der Corona-Beschränkungen bald darauf wieder verworfen werden. Am Ende war man froh, mit dem Konzertsaal der Universität der Künste in der Hardenbergstraße und der Aula des Goethe-Gymnasiums in Berlin-Wilmersdorf zwei geeignete und genügend große Räumlichkeiten für das Symposium und – wie schon vor zwei Jahren – mit der Mendelssohn-Remise einen vorzüglichen Veranstaltungsort für das traditionelle Symposiums-Konzert gefunden zu haben. Das Resümee Bernd Feuchtners war schließlich durchweg positiv: die rund 40 Teilnehmenden an der zwanzigsten Auflage des Musikwissenschaftlichen Symposiums, das sich mit dem Thema „Schostakowitschs Musiksprache – Kompositionstechniken und Narrative“ beschäftigte, hatten einen ebenso spannenden wie ertragreichen Vortragsreigen mit regen Diskussionen, anregenden Gesprächen und vielen interessanten Begegnungen erlebt, der das Verständnis für das Werk eines der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts weiter vertiefte. (Den ausführlichen Symposiumsbericht inkl. Konzertvideo finden Sie hier  )

 

Ein Zeugnis millionenfach vernichteten Lebens

Als 2007 der monumentale Roman „Leben und Schicksal“ des sowjetisch-jüdischen Schriftstellers Wassili Grossman erstmals vollständig in deutscher Übersetzung erschien, war von einem sensationellen literarischen Fund, ja von einem „Jahrhundertroman“ die Rede. Nun endlich liegt auch sein kaum weniger bedeutender Vorgängerroman mit dem Titel „Stalingrad“ in einer sorgfältigen Übertragung und annähernden Vollständigkeit auf Deutsch vor.

„Dieses Buch verdient die Aufmerksamkeit eines jeden Schostakowitsch-Freundes. Und lässt vielleicht auch dessen Musik besser verstehen. Auf jeden Fall hat Schostakowitsch Grossmans Kriegsberichte gelesen und ihn womöglich auch persönlich gekannt“, urteilt Bernd Feuchtner, Präsident der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft. Paul Ingendaay rezensiert das 1300 Seiten umfassende, lange Zeit unterdrückte und nur fragmentiert und zensiert veröffentlichte Werk in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.


Dmitri Schostakowitsch ohne Maske

Nirgends zeigt sich der große sowjetrussische Komponist Dmitri Schostakowitsch so unverstellt wie in den Briefen an seinen besten Freund Iwan Sollertinski, den klügsten Musikwissenschaftler Russlands. Kennengelernt hatten sie sich in Sankt Petersburg (damals Leningrad), als Schostakowitsch 20 war und Sollertinski 24. Beide klebten sofort aneinander wie die Kletten. Und wenn sie getrennt waren, schrieben sie sich Briefe oder Postkarten. Nur die von Schostakowitsch sind erhalten. Sie geben das Bild zweier brillanter junger Künstler, die sich mit Begeisterung in die aktuellen Auseinandersetzungen stürzen und dabei nicht vergessen, das Leben zu genießen. Auch so intim erleben wir Schostakowitsch sonst nirgends. Ab 1935, mit dem Stalin’schen Terror, verändert sich die Tonlage allmählich. Die beiden sind sich nicht mehr so sicher, dass Können und Argumente sich durchsetzen. Der Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion und die Einkreisung Leningrads durch die Nazitruppen trennt die Freunde: Schostakowitsch wird nach Samara (damals Kuibyschew) evakuiert, Sollertinski nach Nowosibirsk. Ein gutes Ende scheint auf, als Schostakowitsch 1943 nach Moskau zieht und dem Freund eine Professur am Moskauer Konservatorium vermittelt. Doch der durch Kriegsentbehrungen und Mobbing in der Leningrader Philharmonie geschwächte Sollertinski erliegt 1944 mit 41 Jahren einem Herzschlag. Für Schostakowitsch war das eine Katastrophe. Seine Briefe bilden ein Monument für eine große Freundschaft und geben intime Einblicke in die kulturpolitische Entwicklung der Sowjetunion.

Jetzt endlich sind die von Dmitri Sollertinski und Ljudmila Kownazkaja herausgegebenen Sollertinski-Briefe Schostakowitschs in deutscher Übersetzung von Ursula Keller und mit einem Vorwort von Bernd Feuchter, dem Präsidenten der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft, versehenen Ausgabe im Wolke Verlag erschienen. Das Buch (251 Seiten, Paperback., € 36.–, ISBN: 978-3-95593-097-4) ist überall im Buchhandel erhältlich.    


Schostakowitsch als Vokalkomponist

Während seine Opern, Sinfonien und Streichquartette zum festen Repertoire der Musikinstitutionen gehören, werden Schostakowitschs Lieder leider noch immer wenig aufgeführt. Findet man sie im Internet oder hat man Aufnahmen auf Tonträgern, fehlt oft der Text, um die Musik wirklich verstehen und genießen zu können.

Dabei hat Schostakowitsch noch mehr Vokalmusik komponiert! Sehr viel mehr, als man vermuten würde. Und dazu sind die Texte noch viel schwerer aufzutreiben.

Um ein größeres Interesse an diesen Werken zu wecken, haben wir diese Sammlung der von Schostakowitsch vertonten Texte zusammengestellt, die wir Ihnen hier zum kostenlosen Download zu Verfügung stellen. Klicken Sie einfach auf die nebenstehende Vorschau. (Diese Datei wurde zuletzt am 18. Oktober 2021 aktualisiert).

Unser Schostakowitsch-Textbuch ist noch im Aufbau, wird aber fortlaufend ergänzt. Vielleicht können ja auch Sie dazu beitragen? Schreiben Sie uns, wenn Sie uns noch fehlende Texte zur Verfügung stellen möchten: info@schostakowitsch.de


Kostenloser Download unserer Schostakowitsch-Studien

Band 1


Band 2


Band 3


Band 4


Band 5


Band 6


Band 8


Band 9


Band 10


Band 11


Die Deutsche Schostakowitsch Gesellschaft stellt ab sofort die nicht mehr im Buchhandel erhältlichen Bände ihrer Schostakowitsch-Studien zum kostenlosen Download bereit. Die Bände enthalten im Wesentlichen Vorträge, die seit 1992 im Rahmen unserer Musikwissenschaftlichen Symposien von renommierten Musikwissenschaftlern und Musikwissenschaftlerinnen gehalten wurden und stellen einen überaus wertvollen Beitrag zur internationalen Schostakowitsch-Forschung dar. Sie sind zwischen 1998 und 2014 im nicht mehr existierenden Verlag Ernst Kuhn, Berlin erschienen. Durch Anklicken des Titelbildes startet der Download des jeweiligen Bandes. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Übersichtsseite. 


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