Nachrichten aus dem Jahr 2016

Zwischen Utopie und Katastrophe

Die Galerie Forum Amalienpark in Berlin zeigt  eine Ausstellung zum 40. Todestag von Dmitri Schostakowitsch (1906 – 1975). „Das musikalische Werk Schostakowitschs zeichnet in einer einzigartigen formalen und thematischen Vielschichtigkeit die Umrisse der Welt – zwischen Utopie und Katastrophe“, schreibt die Galerie Forum Amalienpark in einer Einführung. In seiner Musik nehmen historische Vorgänge mit gewaltigen Erschütterungen, Zustände des Leidens, der Opfer und des Heldentums eine zentrale Rolle ein. Aber auch das Aufscheinen einer besseren, humaneren Welt, gehöre als Utopie zu seinem künstlerischen Gegenstand. Der Komponist habe ein symphonisches Werk geschaffen, das in seiner Wirkung jede zeitliche Begrenzung sprengt und seine inhaltliche wie ästhetische Kraft weit ins 21. Jahrhundert hinein entfaltet. 

Was die Maler, Grafiker und Bildhauer in der Ausstellung miteinander verbindet, ist ihre Begeisterung für Schostakowitsch. Die Zuneigung reiche von einem intensiven Arbeiten zur Musik bis hin zu einer wahren Kennerschaft der Werke. Die Künstler und Künstlerinnen hätten sich auf sehr unterschiedliche Weise mit dem Komponisten auseinandergesetzt und dabei die unverwechselbaren Grundlinien seiner Musik aufgenommen. 

Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm begleitet die Ausstellung, darunter ein Vortragsabend mit Toneinspielungen, ein Filmabend „Dem kühlen Morgen entgegen“  mit Armin Müller-Stahl in der Hauptrolle, eine Podiumsdiskussion „Utopie und Gesellschaft“  unter anderem mit den Gästen Dr. Gregor Gysi und Jürgen Trittin, ein Konzert mit dem Arminio-Quartett, eine Lesung mit Christian Grashof vom Deutschen Theater und ein Künstlergespräch. Ein separates Musikkabinett in der Ausstellung ermöglicht Einblicke in biografische Details des Komponisten und präsentiert Hörbeispiele von seinen bekannten und weniger bekannten Werken. 

Die Ausstellung ist vom 21. November 2015 bis 15. Januar 2016 geöffnet und zeigt Werke von Martin Colden, Martin Enderlein, Ellen Fuhr, Dieter Goltzsche, Annette Gundermann, Sylvia Hagen, Dorothee Helena Jacobs, Oskar Manigk, Wolfgang Mattheuer und Werner Stötzer. Ausführliche Informationen zu den gezeigten Werken, zu den Künstlern, dem Veranstaltungsprogramm und den Öffnungszeiten finden Sie auf der Website der Galerie Forum Amalienpark:  


Shakespeare und Schostakowitsch im Kino 

Schostakowitschs Affinität zu Shakespeare ist bekannt. Es gibt zahlreiche bedeutende Schauspiel- und Filmmusiken von ihm, denen Werke des großen englischen Dramatikers zugrunde liegen. So wundert es nicht, dass der bekannte französische Tänzer und Choreograf Jean-Christophe Maillot in seiner neuen Produktion „Der Widerspenstigen Zähmung“ nach William Shakespeare auf Musik von Dmitri Schostakowitsch zurückgreift. Das Ballett wird am Sonntag, 24. Januar 2016 ab 16 Uhr in zahlreichen Kinos live aus dem Bolschoi Ballett Moskau übertragen. Ob auch ein Kino in Ihrer Nähe dabei ist, erfahren Sie hier: 




Lyatoshinskys tragische Dritte

Die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv spielt mit den Bamberger Symphonikern die dritte Sinfonie von Boris Lyatoshinsky und die Tondichtung „An den Ufern der Weichsel“ ein und hat damit den Grundstein gelegt, dass dieser nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Vergessenheit geratene Komponist auch im Westen gehört wird. 

Boris Lyatoshinsky

Boris Lyatoshinsky (1895-1968) war Zeitgenosse von Dmitri Schostakowitsch und gilt als Begründer der ukrainischen Musik des 20. Jahrhunderts. Nach der Oktoberrevolution und der Eroberung durch die Rote Armee wurde die Ukraine als Sowjetrepublik in die Sowjetunion eingegliedert und durfte als solche (anders als im Zarenreich) eine gewisse eigene sprachliche und kulturelle Identität entfalten. Lyatoshinsky schloss 1919 sein Kompositionsstudium bei Reinhold Glière in Kiew ab, danach unterrichtete er selbst bis zu seinem Tod am Kiewer Konservatorium, unterbrochen nur von der Evakuierung während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Wie Schostakowitsch geriet auch Lyatoshinsky immer wieder in Konflikte zwischen seinen offiziellen Positionen in der Sowjetunion (z. B. Vorsitzender des ukrainischen Komponistenverbands) und seiner avancierten Tonsprache, die von den Vertretern des sozialistischen Realismus wiederholt kritisiert wurde.  Der Bayerische Rundfunk (BR-Klassik) übertrug das Konzert am 20. Januar. Die dritte Symphonie wurde erstmals in Deutschland ausgestrahlt. Das Werk war in der Sowjetunion zunächst verboten und  Lyatoschinsky sah sich gezwungen, es zu überarbeiten und das zunächst komponierte tragische Finale durch einen patriotischen Schluss zu ersetzen. Die Symphonie wurde von den Bamberger Symphonikern in der Version mit dem ursprünglichen Finale gespielt.  


Wie Musik Hoffnungslosigkeit überwindet 

Dirigent Karl Eliasberg bei dem Konzert am 9. August 1942 in Leningrad. Foto: St Petersburg Academic Philharmonia / BBC News

Sommer 1942: Die Menschen in der sowjetrussischen Metropole Leningrad sind am Verhungern. Seit einem Jahr wird ihre Stadt von deutschen Truppen belagert und beschossen. Die Lage ist verzweifelt, das öffentliche Leben praktisch zum Erliegen gekommen. In dieser hoffnungslosen Situation erhält der Dirigent des Radio-Sinfonieorchesters Leningrad, Karl Eliasberg, den Auftrag, die 7. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch einzustudieren und erstmals in der geschundenen Heimatstadt des Komponisten erklingen zu lassen. Ein schwieriges, ja fast aussichtsloses Unterfangen - zur ersten Probe erscheinen gerade mal 15 ausgemergelte Musiker -, das schließlich nach großen Anstrengungen doch noch gelingt. 

Jason Caffrey von BBC News erinnert in einem sehr informativen Beitrag an das denkwürdige Konzert am 9. August 1942, das übertragen durch riesige Lautsprecher, auch auf Seiten der deutschen Belagerer gehört werden konnte. 

Die in Berlin lebende neuseeländische Autorin Sarah Quigley hat die Geschichte in ihrem 2012 erschienen Roman „Der Dirigent“ realistisch, fesselnd und mit großer historischer Akkuratesse erzählt: überaus lesenswert. 


Schostakowitsch-Raritäten

Wenige Wochen nach Linus Roth und José Gallardo legen Sascha Roschdestwenski (Violine) und Jeremy Menuhin (Klavier) eine weitere Ersteinspielung von Dmitri Schostakowitschs unvollendeter Violinsonate aus dem Jahr 1945 vor. Diesmal in einer Version mit einer komplettierenden elftaktigen Coda auf der Feder von Gennadi Roschdestwenski. Neben der Violinsonate in G-Dur op. 134 enthält das bei First Hand Records erscheinende Album weitere Schostakowitsch-Raritäten und Ersteinspielungen, nämlich die von Schostakowitsch in den dreißiger Jahren für Klavier zu vier Händen eingerichtete Psalmensinfonie von Igor Strawinsky (mit Jeremy und Mookie Menuhin am Klavier), das Andantino aus dem Streichquartett in D-Dur Nr. 4 op. 83 (arr. für Klavier und Violine von Dmitri Tsyganow), sowie Schostakowitschs Bearbeitung von Gaetano Bragas „La Serenate - A Walachian Legend“ aus dem Jahr 1972 mit Ilona Domnich (Sopran) und Alexandra Sherman (Mezzosopran).  Einige Kostproben aus dem kürzlich erschienenen Album finden Sie hier:




Schostakowitsch-Preis für Roszhdestvensky 

Der russische Dirigent Gennadi Roszhdestvensky (84) erhält den Preis der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch. Damit werde einer der großen Orchester-Erzieher für seine Verdienste um das Schaffen des Komponisten geehrt, teilte die Sächsische Staatskapelle Dresden mit. Als Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchester der UdSSR habe Roszhdestvensky sämtliche Symphonien eingespielt und auch als Künstlerischer Direktor des Bolschoi-Theaters Moskau dessen Werk noch zu Sowjetzeiten besonders gepflegt. Die Auszeichnung wurde am 20. Januar im Kurort Gohrisch in der Sächsischen Schweiz verliehen. In seiner Laudatio würdigte der Künstlerische Leiter der Schostakowitsch Tage, Tobias Niederschlag, die Vielseitigkeit Rozhdestvenskys, der dem Musikleben – nicht nur der ehemaligen Sowjetunion – durch seinen Einsatz für Komponisten wie Dmitri Schostakowitsch, Sergej Prokofjew, Alfred Schnittke oder Sofia Gubaidulina nachhaltige Impulse verliehen habe. In den düstersten Zeiten des Kalten Krieges habe Rozhdestvensky den Kulturaustausch zwischen Ost und West wesentlich befördert.  

Einen ausführlichen Bericht von Michael Ernst finden Sie auf der Seite „Musik in Dresden“   

Gennadi Roszhdestvensky


Schostakowitsch und Puschkin

Dmitri Schostakowitsch  und die russische Literatur lautet das Thema eines Wochenendseminars zu dem die langjährige Theaterdirektorin Dr. Mechtild Hobl-Friedrich vom 15. bis 17. April 2016 in die „Europäische Akademie Schleswig-Holstein“  (Akademiezentrum Sankelmark) einlädt.  Alexander Puschkin gilt, nicht nur im russischsprachigen Raum, heute noch vielen Menschen als der größte Dichter im Russland des 19. Jahrhunderts. Ein ähnliches Werturteil wurde dem Komponisten Dmitri Schostakowitsch im 20. Jahrhundert zuteil. Schostakowitsch wurde berühmt wegen seiner Opern und seiner Sinfonien. Puschkin wurde vor allem berühmt wegen seines Poems „Eugen Onegin“. Beide Künstler treffen sich, jedoch nicht in der großen, sondern in der kleinen Form: Schostakowitsch komponierte zahlreiche Lieder auf Texte von Puschkin. Andere Autoren, bekannte und unbekannte, russische und nichtrussische, haben Schostakowitsch zu Vokalkompositionen angeregt. Doch diese stehen – mit Ausnahme der Sinfonien –  im Schatten seiner sonstigen Kompositionen. Das  Seminar widmet sich insbesondere diesen Werken, ohne die „großen“ Werke aus den Augen zu verlieren.  Das dreitägige Seminar leitet Dr. Mechtild Hobl-Friedrich, die von 2001 bis 2011 Direktorin des Theaters Itzehoe war und sich auch einen Namen als Rezitatorin und Konzertmoderatorin gemacht hat. Mit Schostakowitsch beschäftigt sie sich seit vielen Jahren.  Weitere Informationen über Programm, Tagungsort und Anmeldung finden sie hier 


Nachgehört

Am Ersten Weihnachtsfeiertag 2015 wiederholte der Deutschlandfunk das Radio-Feature von Mario Bandi „Dmitri Schostakowitsch - Mein Leben in 5 Sätzen“ mit vielen Originalstimmen von Weggefährten und Freunden des großen russischen Komponisten, darunter auch Krzysztof Meyer, Präsident der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft. Zum Nachhören klicken Sie bitte auf das untenstehende Bild. 




Ein Schrei nach Menschlichkeit

Foto: © Jochen Quast / Theater Lübeck

Als eine tragische Satire hat Dmitri Schostakowitsch seine 1932 in Leningrad uraufgeführte „Lady Macbeth“ nach der realistischen, jede idyllische Darstellung negierenden Novelle Nikolai Leskows komponiert. Längst hat sich Schostakowitschs Schicksalswerk einen herausragenden Platz auf den Bühnen der Welt erobert und zählt mittlerweile zu den meist aufgeführten Opern des 20. Jahrhunderts. Im Frühjahr 2016 zeigt das Theater Lübeck die letztlich gescheiterte Befreiungsgeschichte einer emanzipierten Kämpferin gegen eine Welt männlicher Unterdrückung. Für die Inszenierung zeichnet Jochen Biganzoli verantwortlich, die musikalische Leitung liegt in den Händen von Andreas Wolf und Ludwig Pflanz, die Titelpartie singt die in Russland geborene und in New York lebende Sopranistin Irina Rindzuner. Von einem begeisterten Premierenpublikum und großartigen Leistungen von Orchester, Solisten und Chor berichten HL-live.de:   und die Kieler Nachrichten: 

Daniel Kaiser nennt die Oper, die zum ersten Mal in Lübeck gezeigt wird, auf NDR-Kultur aufwühlend und ist voll des Lobes für Interpretation und Regie. Man verlasse das Theater mit dem Kopf voller Bilder, mit dem Ohr voll praller Musik und mit dem Herzen mit einer Wehmut beim Gedanken an die Zerbrechlichkeit von Freiheit, schreibt der Rezensent.   

Auf nmz-Online lobt Joachim Lange unter anderem Jochen Biganzolis „blitzgescheite Regieeinfälle“:  

Einen „einzigen Schrei nach Wärme, nach Aufmerksamkeit, nach Menschlichkeit“ hört Peter Krause aus dieser Oper heraus, die er als eine der großartigsten und schockierendsten des 20. Jahrhunderts preist. In seiner Rezension für die Welt hebt er das „sensationelle Regiegeniestück“ Jochen Bigazolis hervor.   

Zur Website des Theaters Lübeck: ► 


Ein leidenschaftliches Plädoyer für Frieden

Mit einem Open-Air-Konzert unter dem Titel »Symphonie der Menschlichkeit« auf dem Areal der Dresdner Filmnächte am Königsufer möchte die Sächsische Staatskapelle Dresden am 23. Juni 2016 ein Zeichen für Frieden und Versöhnung setzen. Auf dem Programm steht die Symphonie Nr. 7 in C-Dur von Dmitri Schostakowitsch, die sogenannte „Leningrader Symphonie“. Entstanden im Angesicht der deutschen Belagerung von Leningrad, gilt sie bis heute als klingendes Mahnmal gegen Krieg und jede andere Form von Gewalt. Am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden steht Franz Welser-Möst, der Chefdirigent des Cleveland Orchestra, der damit zugleich sein Debüt am Kapellpult gibt.

Das Konzert findet am Vorabend der diesjährigen Schostakowitsch Tage Gohrisch statt, mit denen die Sächsische Staatskapelle alljährlich den Komponisten Dmitri Schostakowitsch würdigt. Moderiert wird das Konzert von Axel Brüggemann. Der Eintritt kostet 5 Euro auf allen Plätzen.

„Die Zeit der Wende im Herbst 1989 war eine Zeit des Aufbruchs. Grenzen wurden überwunden, die Welt wuchs zusammen, die Menschen glaubten an eine friedliche und gerechte Welt. Inzwischen zeigt die Welt ein anderes Gesicht: Kriege gelten wieder als taugliches Mittel des Umganges zwischen Staaten. Neue Mauern entstehen in Köpfen und Zäune an Grenzen, die längst überwunden schienen. Gewalt wird zunehmend als legitimes Mittel angesehen, Konflikte auszutragen. Musik erreicht und bewegt alle Menschen unabhängig von Herkunft und Überzeugung. Musik verbindet. Mit der Leningrader Symphonie wollen wir ein leidenschaftliches Plädoyer für Frieden erklingen lassen.“ (Bernward Gruner, Orchestervorstand der Sächsischen Staatskapelle Dresden). Ich freue mich sehr auf dieses Konzert und die erste Zusammenarbeit mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Die ›Leningrader Symphonie‹ ist ein Werk, dessen Mythos mich schon immer fasziniert hat. Entstanden unter widrigsten Umständen, hat diese Musik sehr schnell die Herzen der Menschen rund um den Globus erreicht. Der historische Hintergrund ist heute Geschichte – was bleibt, ist die Botschaft für Menschlichkeit und Frieden, die dem Werk eine zeitlose Gültigkeit verleiht. Diese Symphonie nun in einem solchen Rahmen in Dresden aufzuführen, einer Stadt mit einer so symbolträchtigen Geschichte, halte ich für eine wunderbare Idee.“ (Franz Welser-Möst) 


Im Schatten des Eisernen Vorhangs 

Vom 24. bis 26 Juni 2016  wird der kleine Kurort Gohrisch in der Sächsischen Schweiz wieder zum Mekka der Schostakowitsch-Freunde aus aller Welt: Bereits zum siebten Mal finden heuer die jährlichen Schostakowitsch Tage Gohrisch statt, die sich innerhalb kürzester Zeit als ein Festival von internationaler Ausstrahlung etabliert haben. Auch im siebten Festivaljahrgang wird das Werk Schostakowitschs durch zwei weitere Komponisten maßgeblich begleitet: zum einen durch die Musik seines Zeitgenossen Hanns Eisler, zum anderen durch zentrale Kammermusikwerke Ludwig van Beethovens. Schostakowitsch und Eisler komponierten auf unterschiedliche, aber vergleichbar vielseitige Weise im Schatten kommunistischer Diktaturen. Für beide war Beethoven – nicht zuletzt in der humanistischen Ausrichtung seiner Werke – immer ein wichtiges Vorbild, ein Fixpunkt.

Die Musik von Hanns Eisler gilt es in ihrer Vielfalt noch immer zu entdecken. Eisler, geboren 1898 in Leipzig, aber zeitlebens österreichischer Staatsbürger, studierte bei Arnold Schönberg, komponierte als Emigrant in Hollywood erfolgreich Filmmusiken, war befreundet mit Charlie Chaplin, Thomas Mann und Bertolt Brecht. Nach seiner Rückkehr nach Europa stieg er in der DDR zu hohen Ämtern auf, wandte sich aber in seinen letzten Lebensjahren, da als Kommunist ein Idealist, enttäuscht von den Doktrinen der DDR-Staatsführung ab. Mit Eisler steht in Gohrisch zum ersten Mal ein bedeutender DDR-Komponist im Fokus. Zur direkten Gegenüberstellung der drei Komponisten kommt es bereits im Eröffnungskonzert, in dem das belgische Quatuor Danel neben späten Quartetten Beethovens und Schostakowitschs auch das einzige Streichquartett Eislers vorstellt. Die Komponisten-Trias prägt auch einen Kammerabend, für den die Pianistin Anna Vinnitskaya, der Cellist Isang Enders und Matthias Wollong, 1. Konzertmeister der Staatskapelle, zu einem Trio zusammenfinden. Oder das Abschlusskonzert, das von Norbert Anger (Konzertmeister Violoncello der Staatskapelle), dem Ensemble Semper Winds Dresden (Solobläser der Staatskapelle) und dem Pianisten Michael Schöch gestaltet wird. In einer Matinee zum 70. Geburtstag des Dirigenten Michail Jurowski werden dessen „Lebenserinnerungen“ vorgestellt – die Idee zu diesem Buch wurde vor einigen Jahren in Gohrisch geboren, wo diese Präsentation nun mit Streichquartetten von Beethoven und Schostakowitsch umrahmt wird, die ein Wiedersehen mit dem Dresdner Streichquartett bringen. Eine Neuerung im Programm ist ein „Nachtkonzert“: Zu später Stunde bringen der Pianist Peter Rösel und Sebastian Herberg, Solobratschist der Staatskapelle, Schostakowitschs Violasonate und damit sein allerletztes Werk zu Gehör. Davor steht die „Mondscheinsonate“ von Beethoven auf dem Programm, die in der Violasonate bedeutungsvoll zitiert wird. Nach dem erfolgreichen „Wandelkonzert“ im Jahr 2013 lädt das Ensemble Vocal Concert Dresden in diesem Jahr ein zu einem „Wanderkonzert“ – Anlass ist der Deutsche Wandertag, der zeitgleich mit dem Festival in der Sächsischen Schweiz stattfindet. Unter freiem Himmel erklingen in Gohrisch und seiner Umgebung russische und „neue deutsche“ Volkslieder von Schostakowitsch und Eisler. 

Ergänzt wird das musikalische Programm durch einen Vortrag der Musikwissenschaftlerin Friederike Wißmann, die mit ihrer erfolgreichen Eisler-Biografie schon seit einigen Jahren für ein differenzierteres Eisler-Bild wirbt. In einer Podiumsdiskussion kommen im Anschluss auch Koryphäen wie Peter Gülke und Krzysztof Meyer sowie Peter Rösel und der Schriftsteller Uwe Tellkamp zu Wort, die – sicher auch aus eigenem Erleben – das Kunstschaffen „im Schatten des Eisernen Vorhangs“ reflektieren. Das ausführliche Programm finden Sie hier:  

Hanns Eisler © Archiv der Sächsischen Staatstheater Dresden


Dmitri Schostakowitsch © Archiv der Sächsischen Staatstheater Dresden



Symphoniekonzert eröffnet künftig die Schostakowitsch Tage

Die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch, die in diesem Jahr bereits zum siebten Mal in dem kleinen Kurort in der Sächsischen Schweiz stattfinden, haben sich längst zum alljährlichen Treffpunkt der stetig wachsenden Fangemeinde des großen russischen Komponisten aus dem In- und Ausland entwickelt. Nun hat Tobias Niederschlag, Künstlerischer Leiter des Festivals, bekannt gegeben, dass die Schostakowitsch Tage in den kommenden Jahren regelmäßig am Donnerstag vor dem Festival mit einem Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle in der Dresdener Semperoper eröffnet werden. „Damit ist es uns endlich möglich, auch die große Symphonik Schostakowitschs, die in der Konzertscheune in Gohrisch aus Platzgründen nicht aufgeführt werden kann, im Festivalprogramm zu berücksichtigen“, schreibt Niederschlag. Bereits in diesem Jahr, am Donnerstag, 23. Juni 2016, findet am Vorabend der Schostakowitsch Tage am Königsufer Dresden ein Open Air Konzert mit der Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Franz Welser-Möst statt. Auf dem Programm steht die Symphonie Nr. 7 in C-Dur op. 60 „Leningrader“ von Dmitri Schostakowitsch. Das Konzert steht unter dem Motto „Symphonie der Menschlichkeit“. Die Musiker der Staatskapelle Dresden wollen damit ganz bewusst ein Zeichen für Frieden und Toleranz setzen – für Werte, die in der heutigen Zeit zunehmend gefährdet scheinen.


Schostakowitsch-Sonderpreis vergeben

Bereits zum sechsten Mal hat die Schostakowitsch-Musikschule Berlin-Lichtenberg in diesem Jahr ihren traditionellen, dem Namenspatron der Schule gewidmeten Musikwettbewerb veranstaltet. Der Aufruf zur Teilnahme richtete sich an Schülerinnen und Schüler der Musikschule, ihr musikalisches Können vor einer Jury unter Beweis zu stellen und mit ihren Mitschülern um die begehrten ersten Plätze zu wetteifern.  Ziel des alljährlichen Wettbewerbs ist, die Schülerinnen und Schüler zu besonderen musikalischen Leistungen zu motivieren, sowie die Begegnung und den Austausch von musikbegeisterten Jugendlichen, Eltern, Pädagogen und Besuchern zu fördern.

In diesem Jahr wurde der Wettbewerb für Akkordeon, Streichinstrumente, Schlagzeug und Gesang Rock/Pop/Jazz ausgeschrieben. In einem feierlichen Preisträgerkonzert präsentierten die Gewinner des Wettbewerbes am 14. April 2016  im Kulturhaus Karlshorst Ausschnitte aus ihrem anspruchsvollen Wettbewerbsprogramm. Wie in den Vorjahren wurde der Wettbewerb vom Freundeskreis der Musikschule unterstützt. In diesem Jahr brachte sich zudem erstmals die Deutsche Schostakowitsch Gesellschaft e.V. ein, um die Werke des Namenspatrons der Lichtenberger Musikschule auch unter dem musikalischen Nachwuchs bekannter werden zu lassen. Sie stiftete  den Schostakowitsch-Sonderpreis für die beste Interpretation eines Werkes des großen russischen Komponisten. Ausgezeichnet wurde der 16-jährige Elieser Kauschke, der gekonnt ein für Akkordeon transkribiertes Werk von Dmitri Schostakowitsch interpretierte und den Schostakowitsch-Sonderpreis aus den Händen von Vizepräsidentin Annette Salmon entgegennehmen konnte.

Die Fotos zeigen den Preisträger Elieser Kauschke bei seinem Vorspiel, sowie Vizepräsidentin Annette Salmon und den Direktor der Schostakowitsch-Musikschule Berlin-Lichtenberg, Olaf Hengst, bei der Preisübergabe (Zum Vergrößern bitte anklicken; Fotos: Ronald Freytag).


Atemberaubende Spielkultur

Im vergangenen Jahr sorgte die inzwischen Grammy-dekorierte Neueinspielung von Schostakowitschs 10. Symphonie durch das Boston Symphony Orchestra unter Leitung von Andris Nelsons für Furore. Kaum weniger euphorisch dürfte die Reaktion der Musikwelt auf die Aufnahme der Symphonien 5, 8 und 9 sein, die jetzt im Handel erhältlich ist. Erneut stellt das amerikanische Spitzenorchester seine atemberaubende Spielkultur und der lettische Ausnahmedirigent sein tiefes Verständnis für die Tonsprache des großen russischen Komponisten unter Beweis. Die beispielgebende Interpretation der Symphonien wird der Doppeldeutigkeit der Fünften und der Neunten genauso gerecht, wie sie die Abgründe der Achten auszuleuchten vermag. Als Zugabe enthält die bei der Deutschen Grammophon erschienene Doppel-CD die Aufnahme einer Suite aus Schostakowitschs Hamlet-Schauspielmusik aus dem Jahre 1932. Aus einer Zeit also, als Leben und Schaffen des Komponisten noch nicht durch die Drangsale der stalinistischen Kulturbürokratie verschattet wurden. Eine ausführliche Besprechung der Neuerscheinung finden Sie auf Klassik-Akzente: 

Auf Spiegel Online bespricht Werner Theurich die Neuerscheinung und wirft einen Blick auf das Wirken des Top-Dirigenten Andris Nelsons 


DSCH – Spuren eines Lebens

Bruno Ganz. Foto ©: Ruth Walz

Bruno Ganz. Foto ©: Ruth Walz

Schauspiellegende trifft herausragendes Streichquartett: Bruno Ganz und das delian::quartett haben sich zu einem unvergleichlichen Zusammenspiel von Literatur und Musik gefunden. Dmitri Schostakowitsch zwischen Anpassung und Widerstand – den Spuren seines Lebens gehen sie in ihrer Collage nach. Die hohe Kunst der Rezitation vereint sich mit hinreißend musizierten Streichquartettklängen. Bruno Ganz liest Episoden aus dem Bestseller-Roman „Europe Central“ von William T. Vollmann, dem „Krieg und Frieden“ des 21. Jahrhunderts, in dessen Zentrum Schostakowitsch steht. Das delian::quartett fügt nicht nur die klingenden Chiffren des musikalischen Widerstands hinzu, auch Schostakowitschs andere Facetten, wie seine Film- und Theatermusiken, werden offenbar. Eine berührende Hommage an den großen Komponisten im Rahmen des diesjährigen Hamburger Theaterfestivals. Die Veranstaltung am Montag, 3. Oktober 2016, im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg beginnt um 12 Uhr. 


Schostakowitsch-Projekt in Gauting

Die Klassikreihe im Bosco in Gauting bei München eröffnete ihre Spielzeit mit einem kühnen Schostakowitsch-Projekt: Ein Klaviertrio und ein Schlagzeugduo nahmen sich die 15. Sinfonie des großen russischen Komponisten vor. Gespielt wurde die von Schostakowitsch autorisierte Reduktion von Viktor Derevianko – eine Version von Schostakowitschs janusköpfigem sinfonischen Abgesang, die in letzter Zeit schon öfters in den Konzertsälen zu hören war. Natalia Prishepenko (Violine), Sebastian Klinger (Violoncello), Marianna Shirniyan (Klavier), sowie das Eadrum-Duo (Domenico Carlo Melchiorre und Johannes Fischer, Schlagzeug) brachten das anspruchsvolle Werk zu Gehör. Zuvor wurden Franz Schuberts Klaviertrio B-Dur, sowie die Komposition „DmitriRemix“ mit Motiven von Schostakowitsch aus der Feder von Johannes Fischer aufgeführt. Eine Einführung gibt Reinhard Palmer in der Süddeutschen Zeitung: 

Seine Konzertkritik in der Süddeutschen Zeitung finden Sie hier : 


Vordringen in philosophische Tiefen 

Andris Nelsons. Foto: dpa

Andris Nelsons ist Chefdirigent in Boston und bald auch beim Gewandhausorchester in Leipzig. Mit dem Boston Symphony Orchestra hat er im vergangenen Jahr begonnen, sämtliche 15 Sinfonien Dmitri Schostakowitschs einzuspielen. Im Gespräch mit Patrick Bahners äußert sich der lettische Stardirigent in der Frankfurt Allgemeinen Zeitung über das Mammutprojekt, über sein Schostakowitsch-Verständnis, über dessen, sein Leben verschattendes Verhältnis zu Stalin und über seine eigene Jugend in der Endzeit der Sowjetunion. Ein überaus lesenswertes, erhellendes Interview. 


Szene aus dem Ballett "Das goldene Zeitalter" in der Neuinszenierung des Moskauer Bolschoi Theaters. Foto ©: Damir Yusupov/ Bolschoi Theater


Zwei Ballette von Schostakowitsch im Kino

Gleich zwei Ballette von Dmitri Schostakowitsch in Inszenierungen des weltberühmten Moskauer Bolschoi Theaters sind in diesem Herbst in vielen Kinos in Deutschland und im europäischen Ausland zu sehen. Den Anfang machte am Sonntag, 16. Oktober 2016, ab 17 Uhr, die Liveübertragung einer Aufführung des Balletts „Das goldene Zeitalter“ aus dem Jahr 1930. Für die Choreografie zeichnet Juri Grigorowitsch verantwortlich, der auch Änderungen am ursprünglichen Libretto vornahm und aus dem „Goldenen Zeitalter“ eine „originelle, farbenfrohe und glänzende Satire auf das Europa in den Wilden Zwanzigern des 20. Jahrhunderts“ machte. Am Sonntag, 6. November folgt dann ab 16 Uhr Schostakowitschs Ballett „Der helle Bach“ aus dem Jahr 1935. Hierbei handelt sich um die Aufzeichnung einer Aufführung vom 29. April 2012 am Bolschoi Theater. Choreograph dieses „humorvollen Meisterwerks“ war Alexei Ratmansky. Weitere Informationen, sowie eine Liste der teilnehmenden Kinos finden Sie hier 


Die Nase am Covent Garden 

Am altehrwürdigen Royal Opera House Covent Garden London hatte am 20. Oktober 2016  die Neuinszenierung von Dmitri Schostakowitschs Opernerstling „Die Nase“ nach der Novelle von Nikolai Gogol Premiere. Regie führt der gefeierte australische Opern- und Theaterregisseur und künstlerische Leiter der Komischen Oper Berlin Barrie Kosky, am Pult steht Ingo Metzmacher, dessen Interpretation der Lady Macbeth von Mzensk einst an der Wiener Staatsoper für Furore sorgte. Die Nase wird in London in englischer Sprache gesungen; die Übersetzung besorgte David Pountney. Zur Webseite des Royal Opera House: 

Rezension im Hamburger Abendblatt: 

 



Ein intensiver Blick auf das Leben von Schostakowitsch 

Im Rahmen seiner Konzertreihe „Happy New Ears“ veranstaltet das Institut für Kulturelle Innovationsforschung am Dienstag, 22. November 2016, ab 20 Uhr, einen Schostakowitsch-Abend im Resonanzraum des Ensembles Resonanz im Bunker, Feldstraße 66, in Hamburg. Gezeigt wird dabei eine absolute Rarität, nämlich der sowjetrussische Dokumentarfilm „Dmitri Sostakovic. Al’tovaja sonata“ aus dem Jahr 1981 (russisch mit deutschen Untertiteln) bei dem Semjon Aranowitsch und Aleksander Sokurow Regie führten und Boris Dobrodejew das Drehbuch schrieb. Der Film gewährt einen intensiven Blick auf das Leben des großen sowjetrussischen Komponisten. Im Anschluss daran erklingt Schostakowitschs letztes Werk, die 1975 erstandene Sonate für Viola und Klavier in C-Dur, op. 147. Die Solisten sind Tim-Erik Winzer (Viola) und Gilead Mishory (Klavier).  


Das Individuum im Ausweichmanöver

Alexander Mossolow (1927)

„…und draußen der eiskalte Wind“ ist ein Konzertprogramm überschrieben, das Werke der russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch und Alexander Mossolow miteinander kombiniert. Ein Kammermusikensemble um die Sopranistin Anna-Christina Gorbatschova führt dabei mit „Aus jüdischer Volkposie“ op. 79 ein Schlüsselwerk Schostakowitschs auf, das sich - zunächst für die Schublade geschrieben - entschlossen gegen den allgegenwärtigen Antisemitismus wendet, der sich im Nachkriegsrussland unter der stalinistischen Diktatur erneut breit machte. Neben den beiden Fabeln nach Krylow op. 4 und den Spanischen Liedern op. 100, ebenfalls von Schostakowitsch, wird die Sonate für Klavier Nr. 5 op. 12 aus dem Jahr 1925 von Alexander Mossolow zu Gehör gebracht. Es musizieren: Anna-Christina Gorbatschova (Sopran), Johanne Braun (Alt), Günther Giese (Tenor) und Tomas Bächli (Klavier). Paul Mertens gibt eine Einführung zu den Werken. Es sind zunächst zwei Konzerte in Berlin vorgesehen: Am 19. November 2016 um 20 Uhr im „Hörsaal Boxhagenerstrasse“, Boxhagenerstrasse 16 (U5, Frankfurter Tor) und am Samstag, 26. November 2016 um 17.30 Uhr in der Humboldt-Bibliothek Reinickendorf, Karolinenstrasse 19 (U6, Alt-Tegel). Weitere Informationen finden Sie auf der Website von Anna-Christina Gorbatschova unter: 


Harry Kupfer inszeniert „Lady Macbeth von Mzensk“ in München

Dmitri Schostakowitschs Schicksalsoper „Lady Macbeth von Mzensk“ wird im Spätherbst 2016 an der Bayrischen Staatsoper in München aufgeführt. Regie der Neuproduktion führt mit Harry Kupfer einer der bedeutendsten deutschen Opernregisseure überhaupt. Die musikalische Leitung hat Stardirigent Kirill Petrenko inne, der im Herbst 2019 sein neues Amt als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker antreten wird. Die Titelpartie singt die deutsch-italienische Sopranistin Anja Kampe. Die Premiere am 28. November wurde live auf BR-Klassik übertragen. Weitere Aufführungstermine sind am 1., 4., 8. und 11. Dezember, sowie am 22. Juli 2017. Zur Website der Staatsoper: 

Erstmals begleitet die Bayerische Staatsoper eine Neuinszenierung mit einer eigenen Video-Serie rund um Lady Macbeth von Mzensk. So führt führt Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl mit kriminologischen Sachverstand in den Oper-Plot ein, eine weitere Folge beschäftigt sich mit der bisweilen recht kniffligen Aussprache russischer Orts- und Familiennamen. Zum Lady-Macbeth-Videoblog: 

Hier der Trailer zur Münchener Lady-Macbeth-Inszenierung mit Interviews mit Harry Kupfer und Anja Kampe:

 

Zur Premierenkritik von BR-Klassik 

Die Premiere am 28. November 2016 wurde von BR-Klassik live übertragen. Hier können Sie den gesamten Opernabend inkl. Werkeinführung und Pausengesprächen mit Harry Kupfer und Anja Kampe nachhören. 



Schostakowitsch total in Wien 

Was auf den ersten Blick wie eine verrückte Idee anmutet und bei manchen Musikliebhabern ungläubiges Erstaunen hervorgerufen haben mag, entpuppte sich am Ende als geradezu geniale Konzertidee, die das Publikum im großen Wiener Konzerthaussaal zu wahren Jubelstürmen, sowohl für die fünf Dutzend Musiker als auch für ihren Spiritus Rector Bernard Günther hinriss. Die Rede ist von der Simultanaufführung aller 15 Streichquartette Dmitri Schostakowitschs beim Festival „Wien modern“ am Freitag, 11. November 2016. Das Ergebnis war kein diffuser Klangbrei, sondern ein intensives und überraschend poetisches Erlebnis, schwärmt Walter Weidringer in „Die Presse“. Die logistisch aufwendige Unternehmung in der langen Tradition musikalischer Collagen, die zunächst eher wie ein sportives Event wirken mochte, habe eine ungeahnte Kraft entfaltet. Lesen Sie die vollständige Rezension auf diepresse.com 

Michaela Preiner beschreibt auf European Cultural News ihre Gedanken und Ideen zu diesem höchst außergewöhnlichen Konzertabend und kommt dabei zu dem Fazit, dass die Umsetzung der Idee der simultanen Aufführung ohne jeden Zweifel funktionierte. Bernhard Günther, dem neuen Intendanten von Wien Modern attestierte sie „einen scharfen, musiktheoretischen Verstand und zugleich auch einen sehr sensiblen, auditiven Hörapparat“. 


Auf der Flucht: Katharina (Anja Kampe) und Sergej (Misha Didyk). Foto: Wilfried Hösl (Staatsoper München)

Erschütternde Anklage gegen männliche Gewalt 

Sie hat das Zeug zum Opernereignis des Jahres: Die Neuinszenierung von Dmitri Schostakowitschs Schicksalsoper Lady Macbeth von Mzensk, die am 28. November 2016 an der Bayerischen Staatsoper in München eine vielumjubelte Premiere feierte. Regie führt Altmeister Harry Kupfer, am Pult steht Kyrill Petrenko und in der Titelpartie brilliert erstmals die Sopranistin Anja Kampe. Das Premierenpublikum erlebte einen emotional tief bewegenden Opernabend, an dessen Ende es Standing Ovations für alle Beteiligten gab. Auch das deutschsprachige Feuilleton äußert sich überwiegend positiv, wenn nicht gar begeistert über die Neuinszenierung. Pars pro toto: Eleonore Büning, die in ihrer Rezension in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtet, sie habe wie ein „hypnotisiertes Kaninchen, im Dunkeln, unter Tränen“ die Luft angehalten.

In Zeiten eines aggressiv auftrumpfenden partriarchistischen Revanchismus, der sich immer unverhohlener als antifeministische Gegenbewegung in Szene setzt, erweist sich Dmitri Schostakowitschs erschütternde Anklage gegen männliche Gewalt als geradezu beklemmend aktuell.  

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Bayerischen Staatsoper   


Hier eine Auswahl der Premierenkritiken:

  • Hysterie und Radau in der Fabrikhalle. Uwe Friedrich, Deutschlandradio Kultur 
  • Vier Morde und ein Halleluja. Elmar Krekele, Welt24 
  • Schostakowitschs Schocker. Marco Frei, Neue Zürcher Zeitung 
  • Triumph für und mit Schostakowitsch. Oliver Schneider, DrehPunktKultur 
  • „Lady Macbeth von Mzensk“. Peter Jungblut, BR-Klassik 2 
  • Zutiefst berührend: „Lady Macbeth von Mzensk“ in München. Georg Rudiger, Badische Zeitung 
  • Lady Macbeth von Mzensk: Musikalisch und szenisch perfekt. Jürgen Kanold, Südwest Presse 
  • Zuversicht und neues Unheil. Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau 
  • „Lady Macbeth“ in München: Mörderisch gut. Gert Korentschnig, Kurier.at 
  • „Lady Macbeth“ in München: Tut gar nicht weh. Markus Thiel, Münchener Merkur 
  • Oper wie ein Film. Michaela Schabel, Klassik.com 
  • Packender Krimi um skrupellose Mörderin. Bernhard Neuhoff, BR-Klassik 
  • Das Herz schlägt im Orchestergraben. Juan Martin Koch, Mittelbayrische Zeitung 
  • Musik der trügerischen Hoffnung. Wolf-Dieter Peter, Donaukurier 
  • „Lady Macbeth von Mzensk“ ist grandioses Musiktheater. Klaus Adam, Schwäbische Zeitung 
  • Töne auf der Goldwage. Sybill Mahlke, Tagesspiegel  
  • Ein Abend für die Geschichtsbücher. Kirsten Liese, concerti.de 
  • Lesen Sie auch die Zusammenfassung auf Perlentaucher.de   


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