Nachrichten aus den Jahren 2010 bis 2014

Das Jahr 2014

Vorstand bestätigt 

Die Mitglieder der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft e.V. haben bei der Jahresversammlung am 14. September 2014 in Frankfurt am Main den komplett zur Wiederwahl angetretenen Vorstand in seinem Amt bestätigt. Jeweils ohne Gegenstimme wurden wiedergewählt: Krzysztof Meyer zum Präsidenten der Gesellschaft, Annette Salmon zur Vizepräsidentin und Schatzmeisterin, Gottfried Eberle zum Vizepräsidenten und Symposiumsleiter sowie Gisela Hackstein zur Schriftführerin. Neu in den Vorstand gewählt wurde Karlheinz Schiedel. Er wird sich als Beisitzer künftig vor allem um die Pflege der Homepage kümmern.


Faszination Schostakowitsch

In Folge 10 seiner Reihe „Klassik Kennen Lernen“ beschäftigt sich Dr. Stefan Schaub mit der „Faszination Schostakowitsch“. Die CD ist bei Naxos erschienen und im Handel erhältlich. Zitat aus dem Begleittext:

„Mit seinem umfangreichen Schaffen in nahezu allen Gattungen, mit seiner enormen Kreativität und musikalischen Ausdruckskraft ist Dmitri Schostakowitsch einer der bedeutendsten Komponisten des 20.Jahrhunderts. Sein Leben wurde in unvergleichlicher Weise geprägt durch die politischen Umstände in der Sowjetunion. Dr. Stefan Schaub möchte mit dieser CD anhand zahlreicher Klangbeispiele Neugier und Begeisterung wecken für ein ganz besonderes Genie, das die Musikgeschichte in einer faszinierenden Weise bereichert hat.   


„Einfühlige Musikalität“ mit einem „Quantum Swing“

Zwei Neueinspielungen von Werken Dmitri Schostakowitschs lassen aufhören. Werner Theurich bespricht auf Spiegel-Online die neue CD des jungen deutschen „Top-Geigers“ Christian Tetzlaff, der zusammen mit dem Helsinki Philharmonic Orchestra unter John Storgards die beiden Violinkonzerte des russischen Jahrhundertkünstlers eingespielt hat. Und der Deutschlandfunk widmet sich einer „herrlich durchlüfteten Produktion“ des Blechbläserensembles des Royal Concertgebouw Orchestras. Im Zentrum: Dmitri Schostakowitschs „Gadfly-Suite“. Lesens- und hörenswert. Zu Spiegel-Online:   Zum Deutschlandfunk   


Jugend spielt Schostakowitsch

In Bremen haben sich 90 junge Sinfoniker aus 13 Ländern zusammengefunden, um als „Internationales Jugendsinfonieorchester“ (IYSO) ein äußerst anspruchsvolles Programm einzustudieren und aufzuführen. Im Zentrum: die 10. Symphonie in e-Moll, op. 93 von Dmitri Schostakowitsch. Keine leichte Aufgabe für die jungen Musiker, von denen die meisten erst zwischen 13 und 17 Jahren alt sind. Doch die melancholische Schwere und Beklemmung, die von der Schostakowitsch-Sinfonie ausgeht, scheint der aktuellen Weltlage angemessener zu sein, als zum Beispiel Beethovens „Ode an die Freude“ schreibt die Berliner „taz“. 


Aus Trickfilmmusik wird Kinderoper

„Die Geschichte vom dummen Mäuschen“, ein Kindertrickfilm aus dem Jahr 1939 mit der Musik von Dmitri Schostakowitsch, ist Ausgangspunkt des Bachelorprojekts der Schweizer Musikstudentin Simone Steinmann: eine Oper, die ganz auf Kinder zugeschnitten ist, bei der aber auch die Erwachsenen nicht zu kurz kommen. „Damit möchte ich den Kindern die Möglichkeit geben, in die Opernwelt einzutauchen“, sagt die 25-Jährige im Gespräch mit der Aargauer Zeitung. Am 8. und 9. November 2014 wurde die zur Kinderoper umgearbeitete Trickfilmmusik in Luzern und Niederlenz (Kanton Aargau) aufgeführt. Den Vorbericht finden Sie hier: 


„Echo“ für Schostakowitsch-Einspielung

Das Detmolder Kammerorchester „do.gma“ ist für seine Einspielung der Schostakowitsch-Präludien op. 34 in einer Fassung für Streichorchester mit dem begehrten Deutschen Musikpreis „Echo Klassik“ ausgezeichnet worden. Das Ensemble erhielt den Preis in der Kategorie „Sinfonische Einspielung des Jahres (20./21. Jahrhundert)“. Die CD enthält außerdem eine Aufnahme von Schostakowitschs 8. Streichquartett in der Fassung für Streichorchester. Weitere Informationen:   und 


„Aus der Volkspoesie“ für Cello

Nach ihren hochgelobten Einspielungen der beiden Cellokonzerte und der Cellosonate op. 40 hat sich die argentinische Starcellistin Sol Gabetta erneut dem Werk Dmitri Schostakowitschs zugewandt. In ihrem neuen Album „Prayer“ stellt sie vier für Cello und Orchester eingerichtete Lieder aus dem Schostakowitsch-Zyklus „Aus jüdischer Volkspoesie“ op. 79, Kompositionen von Ernest Bloch und Pablo Casals gegenüber. Ergreifend.   

  

Petrenko vollendet Schostakowitsch-Zyklus

Mit der Symphonie in b-Moll, op. 113 „Babi-Yar“ hat der russische Dirigent Wassili Petrenko seine Gesamteinspielung der Schostakowitsch-Symphonien mit dem Royal Liverpool Philharmonic Choir and Orchestra abgeschlossen. Solist ist Alexander Vinogradow (Bass). Die CD ist bei Naxos erschienen. 


Höllensturm und Hörnerklang

Herausragende Nachwuchsmusiker erhalten vom Deutschlandradio Kultur die Chance, sich gemeinsam mit dem Deutschen Symphonie-Orchester in der Philharmonie Berlin zu präsentieren. Die ukrainische Geigerin Diana Tishchenko hat sich für ihren ersten Auftritt in der Philharmonie Berlin das erste Violinkonzert a-Moll, op. 77 von Dmitri Schostakowitsch ausgesucht. Eine Aufzeichnung des Konzerts sendete Deutschlandradio Kultur am Freitag, 28. November 2014. Mehr Informationen:    Eindrücke von den Proben:  


Chowanschtschina in Stuttgart

Das Staatstheater Stuttgart zeigt in dieser Spielzeit erstmals in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Modest Mussorgskys musikalisches Volksdrama „Chowanschtschina“ in der von Dmitri Schostakowitsch orchestrierten Fassung und der von Igor Strawinsky ergänzten Schlussszene. Premiere ist am 23. November 2014. Weitere Informationen und Aufführungstermine:   


„Von erschreckender Aktualität“

An der Flämischen Oper in Antwerpen und Gent hatte am 31. Oktober die von David Alden geleitete Neuinszenierung von Modest Mussorskys musikalischem Volksdrama „Chowanschtschina“ Premiere. Gespielt wird, von wenigen Eingriffen abgesehen, die 1960 von Dmitri Schostakowitsch erstellte Fassung. Schostakowitsch spiegele die bedrohliche Grundstimmung in einem aufgelichteten Orchestersatz, wodurch die Vorzüge dieser Einrichtung klar heraustraten, urteilt die Neue Zürcher Zeitung in ihrer Rezension. Der qualvoll deutliche Unterschied zwischen Oben und Unten, die Rohheit der Machtausübung, das Leiden, aber stets auch das Agieren des Individuums in diesem Kampf aller gegen alle, verliehen der glaubwürdigen Interpretation dieses Stückes eine erschreckende Aktualität, schreibt der NZZ-Musikredakteur Peter Hagmann  

Weitere Informationen und Aufführungstermine


Chowanschtschina zum Dritten

Es scheint die Oper der aktuellen Spielzeit zu werden: Modest Mussorgskys „Chowanschtschina“. Am 15. November hatte die Neuinszenierung des vom Komponisten unvollendeten musikalischen Volksdramas an der Wiener Staatsoper Premiere - ein Vierteljahrhundert nach der legendären Inszenierung unter Alfred Kirchner und Claudio Abbado. Auch in Wien wird die von Dmitri Schostakowitsch 1960 orchestrierte Fassung gespielt. Dirigent Semyon Bychkov äußert sich im „Wiener Kurier  und im Magazin der Wiener Staatsoper  , Regisseur Lev Dodin in der „Tiroler Tageszeitung“  zur beklemmenden Aktualität des Stückes. 

Weitere Informationen und Aufführungstermine: 


„Lady Macbeth“ lockt nach Kopenhagen

Dmitri Schostakowitschs große Oper „Lady Macbeth von Mzenk“ lässt in dieser Spielzeit die Wände des altehrwürdigen königlichen Theaters in Kopenhagen erzittern. Die von Peter Konwitschny geleitete Neuinszenierung, die am 2. November Premiere hatte, ist auf ein überwiegend positives Echo gestoßen. Bernhard Doppler attestiert dem Regie-Altmeister im Deutschlandfunk einen „guten Schlüssel“ zu Schostakowitschs wilder Tragik-Groteske gefunden zu haben. Die Titelpartie wird von der dänischen Sopranistin Anne Margrethe Dahl gesungen, das Orchester der Königlichen Oper Kopenhagen dirigiert Alexander Vedernikow. Mehr Informationen, Termine, Trailer, Hörbeispiele und eine umfangreiche Bildgalerie finden Sie auf der Website des Theaters: 

Die Rezension von Bernard Doppler im Deutschlandfunk: 

Bereits im September sorgte Schostakowitschs Schicksalsoper in Oslo für Furore:  , ab Ende Januar kann man sich an der Deutschen Oper in Berlin von der Qualität der Inszenierung des norwegischen Regisseurs Ole Anders Tandberg überzeugen: 


Zeitgenössische Musik aus Polen

In einem Beitrag für den Deutschlandfunk beschäftigt sich Ingo Dorfmüller mit zeitgenössischer Musik aus Polen. Mit Nachdruck tritt er dabei einer „erheblichen Wahrnehmungsverzerrung“ entgegen, wonach „zwei Generationen polnischer Komponisten in Westeuropa und namentlich in Deutschland unter den Generalverdacht reaktionärer Ästhetik gestellt wurden. Am Beispiel zweier kürzlich erschienener CDs mit Werken der Komponisten Maciej Zielinski und Krysztof Meyer verdeutlicht der Autor, wie es heute um die polnische Musik steht. Dass dabei auch mehrfach der Name Dmitri Schostakowitsch fällt, wird nicht überraschen. Den Beitrag des Deutschlandfunks finden Sie hier:   


Entfesselter Terror

Mit der Ermordung des Leningrader KP-Chefs Sergej Kirow, die sich am 1. Dezember zum 80. Mal jährte, beschäftigt sich Spiegel-Online in einer „Eines-Tages“-Kolumne. Sowjetdiktator Josef Stalin nahm den - mutmaßlich von ihm selbst angeordneten - Mordanschlag zum Anlass, im Kampf um die absolute Macht einen Terror ungeahnten Ausmaßes zu entfesseln, dem Millionen unschuldiger Menschen in der Sowjetunion zum Opfer fallen sollten. Bei den so genannten „stalinistischen Säuberungen“ verloren zahlreiche Weggefährten Dmitri Schostakowitschs ihr Leben, darunter sein langjähriger Freund und Förderer Marschall Michail Tuchatschewski. Auch der große russische Komponist lebte - vor allem nach dem berüchtigten Prawda-Verriss „Chaos statt Musik“ seiner Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ und dem sich anschließenden denunziatorischen Kesseltreiben auf seine Person - in ständiger Angst davor, verhaftet und liquidiert zu werden. 


Überlebenskampf

Die Frage, ob und inwieweit Musik konkrete politische Aussagen machen kann und machen sollte, wird immer wieder kontrovers diskutiert und unterschiedlich beantwortet. In seinem Konzert am 17. Dezember 2014 im Konzerthaus Freiburg lotet das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg gemeinsam mit dem Raschér Saxophonquartett das bisweilen spannungsgeladene Verhältnis zwischen „reiner“, „absoluter“ Tonkunst und Musik aus, die im Kontext (gesellschafts-) politischer Vorgänge gehört werden kann. Während Franck Bredosian, der 2012 den SWR-Orchesterpreis bei den Donaueschinger Musiktagen erhielt, sich in seiner Komposition „Itself“  jeglicher außermusikalischen Aussage enthält, setzt sich der Australier Brett Dean in „Water Music“ für Saxophonquartett und Kammerorchester mit der Gefährdung der Umwelt auseinander. Im zweiten Teil des Konzertes spielt das SWR-Sinfonieorchester unter seinem Chefdirigenten François-Xavier Roth die 10. Sinfonie in e-Moll op. 93 von Dmitri Schostakowitsch, die oft als eine Art Abrechnung mit der stalinistischen Gewaltherrschaft angesehen wird. Ein Werk, dem das Ringen um die (künstlerische) Existenz und der Wille zur Selbstbehauptung eingeschrieben ist. Dass das traditionsreiche SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg infolge von Sparbeschlüssen der SWR-Intendanz selbst um sein Überleben kämpft, verleiht dem Abend eine gewisse Brisanz. Zur Webseite des SWR-Sinfonieorchesters:     zum Programmheft-Download:    zur Rezension von Heinz W. Koch in der Badischen Zeitung:  


Das Jahr 2013

Musikseminar „Schostakowitsch und Prokofjew“

Der bekannte Musikwissenschaftler Dr. Stefan Schaub bietet mal wieder ein Musikseminar über Schostakowitsch. Diesmal betrachtet er Schostakowitsch und Prokofjew:  Ein interessanter Stilvergleich zweier großen Russen!

In einem sogenannten Kompaktseminar, das heißt an einem Tag von 10 bis 17 Uhr,
erklärt er uns anhand von vielen Musikbeispielen die typischen Merkmale der Musik der zwei Komponisten.

Ein spannender Tag um zwei großen Komponisten des 20. Jahrhunderts zu entdecken bzw. besser zu kennen.

Lassen Sie sich verführen, Sie werden begeistert sein!

Das Seminar findet statt am 8.12.2013, in Köln, Residenz am Dom.


Schostakowitsch im Fokus

Ende September 2013 stand die Sächsische Schweiz wieder ganz im Zeichen von Dmitri Schostakowitsch. Die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch rückten diesmal  die Künstlerfreundschaft zwischen Dmitri Schostakowitsch und Benjamin Britten in den Fokus. Neben Werken dieser beiden Komponisten waren auch mustergültige Aufführungen einiger Kompositionen von Krzysztof Meyer zu hören. Der polnische Komponist war ebenfalls eng mit Schostakowitsch befreundet und ist seit 2010 Präsident der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft.     


Schostakowitsch Tage 2013: Der Dresdner Kreuz-Chor singt vor dem Hotel Albrechtshof in Gohrisch die Zehn Poeme nach Worten revolutionärer Dichter op. 88 von Dmitri Schostakowitsch. Im Juli 1960 komponierte er hier sein berühmtes Streichquartett in c-Moll Nr. 8, op. 110. Foto: Karlheinz Schiedel


Dem Thema „Schostakowitsch, Prokofjew und Britten“ widmete sich das XVI. Musikwissenschaftliche Symposium, das die Deutsche Schostakowitsch Gesellschaft im Vorfeld der Schostakowitsch Tage veranstaltete. Einige der einmal mehr hochinteressanten und kenntnisreichen Vorträge werden im Band 11 der Schostakowitsch-Studien veröffentlicht, der im Herbst 2014 erscheinen wird. 

Die  geplanten Buchveröffentlichungen standen auch im Zentrum der Jahreshauptversammlung der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft, die am Festivalsonntag im Tagungsraum des Hotels Albrechtshof stattfand. Neben den Bänden 10 und 11 der Schostakowitsch-Studien, steht ein Band mit den Sollertinski-Briefen Schostakowitschs als weitere wichtige Neuveröffentlichung an. Gottfried Eberle, Vizepräsident der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft und Bereichsleiter Symposien, hat die Briefe ins Deutsche übersetzt. Der genaue Erscheinungstermin steht noch nicht fest.


Das Jahr 2012

Ein Weg zu Schostakowitsch

Der bekannte Musikwissenschaftler Dr. Stefan Schaub gibt wieder eine Einführung in das faszinierende Schaffen Schostakowitschs.

Am 14.-17. Mai 2012 in Durbach in der wunderschönen Ortenau.

Lassen Sie sich verführen, Sie werden begeistert sein!

„Ein Weg zu Schostakowitsch“

Einer der Größten des 20. Jahrhunderts: Ein phänomenaler Sinfoniker in der Tradition Beethovens und Mahlers! Und eine spannende Biographie zwischen dem Terror Stalins und der Freiheit der Kunst.


Glinka-Medaille für Krzysztof Meyer und Hilmar Schmalenberg

An historisch bedeutsamer Stätte, dem Parkhotel Albrechtshof im sächsischen Kurort Gohrisch, fand am 30. September 2012 die Jahresversammlung der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft statt. Bis zur Wende diente der Gebäudekomplex als Gästehaus des DDR-Staatsrats, zweimal weilte der russische Komponist Dmitri Schostakowitsch hier; 1960 komponierte er in der Abgeschiedenheit der Sächsischen Schweiz sein berühmtes Streichquartett in c-Moll Nr. 8, op. 110. Seit 2010 finden in Gohrisch alljährlich die Internationalen Schostakowitsch Tage statt.

Gegen Ende der Versammlung, die ganz im Zeichen der Vorbereitung des XVI. Musikwissenschaftlichen Symposiums im Jahre 2013 und der Arbeit an drei neuen Buchveröffentlichungen stand, wartete der bekannte russische Musiker und Musikpädagoge Prof. Mikhail Utkin mit einer Überraschung auf und überreichte im Auftrag der Russischen Kommission für Gesellschaftliche Auszeichnungen den Präsidenten und Ehrenpräsidenten der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft, Krzysztof Meyer und Hilmar Schmalenberg, die „Medaille für Beiträge zur Entwicklung der Musikkunst im Namen von Mikhail Glinka“ (Glinka-Medaille) in Anerkennung ihrer Verdienste um Dmitri Schostakowitsch. Krzysztof Meyer und Hilmar Schmalenberg waren ebenso überrascht wie erfreut über die hohe Auszeichnung und dankten Mikhail Utkin herzlich für die Überreichung der Medaillen.

Prof. Mikhail Utkin, Krzysztof Meyer und Hilmar Schmalenberg (von links). Foto: Annette Salmon


Das Jahr 2011

Rudolf Barschai posthum geehrt

Am 30. April besuchte in der Schweiz Krzysztof Meyer, Präsident der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft, die Witwe von Rudolf Barschai. Er trug ihr eine für ihren Mann zuerkannte Ehrenmitgliedschaft dieser Gesellschaft an.

Bei diesem mehrstündigen Treffen sprach Frau Elena Barschai ausführlich über ihren vor kurzem verstorbenen Mann und zeigte seine zahlreichen Einspielungen.

Herr Meyer traf auf eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die es verstand, über geschichtliche Ereignisse und über das Zusammenleben mit ihrem Mann zu sprechen in einer gastfreundlichen Atmosphäre, die lange in Erinnerung bleiben wird.

Frau Elena Barschai zeigte auch großes Interesse an der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft.


 

Schostakowitschs Unvollendete Violinsonate

Am 29.06.2011 haben Marc Danel, Violine, und Mirjana Rajic, Klavier, in Deutschland fürs erste Mal aber inoffiziell die Unvollendete Sonate für Violine und Klavier (1945) von Schostakowitsch aufgeführt.
Das Konzert fand im Rahmen des Musiksommers im Stiftstheater des Heidelberger Augustinums
in Kooperation mit der Gesellschaft der Musik- und Kunstfreunde Heidelberg e.V. unter dem Motto "Musikalische Zeitreise von 1775 bis 1960" statt.
Auf dem Programm standen:
- J. S. Bach, Sonate in g-Moll für Violine solo
- L. van Beethoven, "Frühlingssonate" in F-Dur op. 24 für Klavier und Violine 
- M. Weinberg, Sonate Nr. 4 für Violine und Klavier
- F. Liszt, Venezia und Napoli, aus Années de Pélerinage 2. Jahr
Als Zugaben spielten Rajic und Danel:
- Schostakowitsch, Unvollendete Sonate für Violine und Klavier
- Tschaikowsky, Melodie, Fassung für Violine und Klavier. 
Das Publikum hat die zwei wunderbaren Musiker frenetisch applaudiert und die Unvollendete Sonate mit Begeisterung entdeckt.

Zur Schostakowitschs Unvollendeten Sonate für Violine und Klavier (1945):

„ Am 26. Juni 1945 fing Schostakowitsch an, ein neues Werk zu komponieren.
Er schrieb Skizzen nieder, und die Reinschrift der ersten 225 Takte: eine Doppelexposition in Sonatenhauptsatzform. Auf der ersten Seite des Manuskripts hat Schostakowitsch „I“ geschrieben. So bezifferte er immer seine großen Instrumentalwerke: Symphonien, Konzerte, Quartette und Sonaten. Dieses neue Werk hätte die Violinsonate werden sollen.

Es war ein monumentales Projekt. Zum Vergleich: der erste Satz der im selben Jahr komponierten 9. Symphonie besteht lediglich aus 250 Takten.
Die Doppelexposition der Unvollendeten Sonate ist nach dem Modell der ersten Sätze der klassischen Sonaten und Konzerte konstruiert. Sie basiert auf ein einfaches Prinzip: zuerst werden die zwei Hauptthemen von der Violine dargestellt, danach werden diese Themen vom Klavier übernommen, während die Violine die Begleitung spielt. Die Themen der Exposition erzeugen eine sehr expressive Kontrast-Stimmung, die durch den Kontrast der sehr entfernten Tonarten betont wird: g-Moll fürs erste Thema und E-Dur fürs zweite.

Alfred Schnittke, dem ich dieses Manuskript Mitte der 80er Jahre gezeigt habe, in der Hoffnung er würde diese Partitur vollenden, hat mir geantwortet, dass eine dermaßen große Exposition mit Konfrontierung von solch entfernten tonalen Sphären seiner Meinung nach ein enormes Werk verlangen würde, dessen Dimensionen weit über die Gattung der Kammermusik und über den Charakter der Sonate hinausragen würden. Er nahm an, dass es der Grund war, warum Schostakowitsch dieses Werk aufgegeben hatte.

Tatsache ist, dass das am 26. Juni angefangene Werk im Sommer 1945 nicht fortgesetzt wurde.
Das Manuskript endet abrupt. Diese Sonate bleibt unvollendet.
Dennoch haben die damaligen musikalischen Ideen Spuren hinterlassen. Mehrere Jahre später bei der Komposition seiner 10. Symphonie hat Schostakowitsch im ersten Satz die zwei Hauptthemen der Unvollendeten Sonate benutzt. Das zweite Thema wird sogar unverändert in der Symphonie zitiert, wo es seine Tonart, seine Dynamik, seinen Rhythmus und seinen Walzer-Charakter beibehält. Die Verwandtschaft zwischen den zwei Themen der Unvollendeten Sonate und den Themen der Einleitung und dem Hauptthema des ersten Satzes der 10. Symphonie sind zwar nicht eindeutig aber dennoch erkennbar.

Auf dieser Weise ermöglicht uns die Studie und Kenntnis der Unvollendeten Sonate einen Einblick in die geheime Werkstatt von Schostakowitsch zu werfen."

Manachir Jakubow
Übersetzung A.Salmon


 

Kurt Sanderling zum Gedenken

Wer den Dirigenten in Rundfunk- oder persönlichen Gesprächen gegenüber saß, der erinnert sich der klaren Aussage, der lebendigen Darstellung und der detaillierten Kenntnisse über Künstler, über Dirigenten, denen er begegnete und natürlich über die Musik, solche des 19.Jahrhunderts wie Brahms, Bruckner, Mahler sowie die seines persönlich verbundenen Komponisten Dmitri Schostakowitsch. Vieles konnte er erzählen und unmittelbare Eindrücke vermitteln.

Kurt Sanderling mit Krzysztof Meyer (Dezember 2010). Foto: DeSCHoG

Sein Lebensweg führte ihn aus Arys in Ostpreußen nach Berlin, wo er die Schule besuchte, studierte, 1931 an der Charlottenburger Oper als Korrepetitor wirkte, Furtwängler oder Kleiber erlebte. Als Jude wurde er 1935 aus dem Deutschen Reich ausgewiesen, entwickelte sich als Dirigent im sowjetischen Russland, erst am Moskauer Rundfunk, dann in Charkow und ab 1942 an der traditionsreichen Leningrader Philharmonie. In der Newastadt lernte er Schostakowitsch auch persönlich kennen. Manches aus diesen Begegnungen vermittelte er uns in Gesprächen und Rundfunksendungen. Leider gibt es keine zusammenfassende Darstellung, aber bei Einführungen zu den Sinfonien wurde manches bekannt.

Von 1942 bis 1959 lebte er in Leningrad, überlebte den Krieg und die Verfolgungen. 1960 wurde er nach Berlin berufen, um das neu gegründete Berliner Sinfonieorchester (BSO) aufzubauen, was er (bis auf drei Jahre bei der Dresdner Staatskapelle) bis 1977 leitete. Seine Interpretationen waren Erlebnisse, zum Teil auch auf Schallplatten nachvollziehbar. Unvergesslich aber bleiben die persönlichen Gespräche.

Für seinen Einsatz um das Werk Schostakowitschs wurde er (neben vielen Ehrungen in aller Welt) zu den Schostakowitschtagen im sächsischen Gohrisch, dem Ort der Entstehung des 8. Streichquartetts, mit dem Preis zu Ehren des Komponisten ausgezeichnet. Die Deutsche Schostakowitsch-Gesellschaft ernannte ihn 2010 zu ihrem Ehrenmitglied.

Einen Tag vor seinem 99.Geburtstag starb er am 18.September 2011 in seinem Heim in Berlin-Pankow. Die Welt trauert um einen Dirigenten, der nicht nur die Romantik des 19.Jahrhunderts im Konzertsaal lebendig werden ließ (sein letztes Dirigat 2002 galt Schumanns 4.Sinfonie), sondern auch die Sinfonik Schostakowitschs, in dessen Klangwelt und biographischen Hintergründe er beste persönliche Erfahrungen einbringen konnte.

Dr.habil. Friedbert Streller


Das Jahr 2010

Neuer Vorstand gewählt

Die Mitglieder der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft haben bei der letzten Mitgliederversammlung am 12. September 2010 einen neuen Vorstand gewählt:

Präsident: Krzysztof Meyer, Vize-Präsident: Gottfried Eberle, Vize-Präsidentin: Annette Salmon, Schriftführerin: Gisela Hackstein. Gottfried Eberle hat die Leitung der Symposien und 
Annette Salmon die Geschäftsführung der Gesellschaft übernommen.  

Hilmar Schmalenberg ist als erster Ehrenpräsident der Gesellschaft gewählt worden.
Der Vorstand freut sich sehr, dass Herr Schmalenberg der DeSCHoG verbunden bleibt.  

Die Mitgliederversammlung hat gewünscht, vier namhaften Personen die Ehrenmitgliedschaft in Anerkennung für deren großen Verdienste um die Popularisierung der Werke Schostakowitschs zu verleihen:  

Frau Irina Antonowna Schostakowitsch, Witwe des Komponisten
Herr Rudolf Borissowitsch Barschai, Dirigent
Herr Kurt Sanderling, Dirigent
Herr Gennadi Roschdestwenski, Dirigent  

Da der Ort der Geschäftsführung sich geändert hat, ändern sich auch Anschrift und Bankverbindung.  

Neue Anschrift:  

Deutsche Schostakowitsch Gesellschaft
Postfach 10 14 43
64214 Darmstadt  

Neue Bankverbindung:  

Volksbank Darmstadt
Konto 58 49 101
BLZ 508 900 00  

BIC GENODEF1VBD
IBAN DE22 50890000 000 5849101

 

Zum Tode Rudolf Barschais

Der berühmte Dirigent Rudolf Barschai ist am 2. November 2010 im Alter von 86 Jahren gestorben.

Mit Rudolf Barschai ist einer der großen Musiker unserer Zeit von uns gegangen, der nicht nur durch seine kompromisslose künstlerische Arbeit, sondern auch durch seine unbestechliche Humanität Maßstäbe gesetzt hat. Die russische Musik des 20. Jahrhunderts hat ihm unendlich viel zu verdanken – und sein Name wird für immer mit einem der größten Meisterwerke Schostakowitschs, der 14. Symphonie, innig verbunden bleiben.

Rudolf Barschai wurde am 28. September 1924 in Russland geboren und studierte am Moskauer Konservatorium Viola und Komposition, u.a. bei Dmitri Schostakowitsch. Nachdem er zunächst als Bratschist konzertierte und mit Mstislaw Rostropowitsch und Leonid Kogan ein Streichtrio bildete, gründete er im Jahre 1955 das Moskauer Kammerorchester, dessen Dirigent und Leiter er bis zu seiner Emigration nach Israel 1977 war. Danach dirigierte er zahlreiche internationale Orchester, darunter das Bournemouth Symphony Orchestra, dessen Chefdirigent er von 1982 bis 1986 war. Seit Ende der 80er Jahre lebte er in der Schweiz.

Berühmt wurde Barschai insbesondere durch seine einfühlsamen und authentischen Bearbeitungen von Kammermusikwerken Dmitri Schostakowitschs und Sergej Prokofjews. Als besonders erfolgreich darf seine geniale Umsetzung des 8. Streichquartetts von Dmitri Schostakowitsch gelten, die unter dem Namen Kammersinfonie op. 110a weltweit große Beliebtheit erlangte. Vor wenigen Wochen krönte er sein Lebenswerk mit einer Orchesterbearbeitung der „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach. Die Bearbeitungen Rudolf Barschais sind mit wenigen Ausnahmen im Musikverlag Sikorski verlegt.

In diesem Jahr hatte die Schostakowitsch Gesellschaft beschlossen, Rudolf Barschai die Ehrenmitgliedschaft anzutragen. Unser Mitglied Hans-Ulrich Duffek hatte ihm noch darüber persönlich informieren können – und dieser hatte die Ehrung mit großer Freude angenommen. 

Unserer Präsident Krzysztof Meyer wird die Urkunde Frau Barschai in dankbarer Erinnerung an das verdienstreiche Wirken ihres Mannes überreichen.

Wir werden Rudolf Barschai immer ein ehrendes Andenken bewahren.


Trauer um Boris Tischtschenko

Nach langer schwerer Krankheit ist am 9.12.2010 der russische Komponist Boris Iwanowitsch Tischtschenko verstorben.

Tischtschenko wurde 23.03.1939 in Leningrad geboren. Er studierte Komposition (bei Galina Ustwolskaja) und Klavier von 1954 bis 1957 an der Leningrader Musikfachschule danach bis 1963 am Leningrader Konservatorium. Von 1962 bis 1965 war er Student bei Schostakowitsch. Ab 1965 war Tischtschenko selber Kompositionslehrer am Leningrader Konservatorium. 1986 wurde er zum Professor ernannt. Neben seiner Lehrtätigkeit trat Tischtschenko als Pianist auf und verfasste musikwissenschaftliche Schriften, u.a. über Schostakowitsch. 1978 wurde Tischtschenko der Glinka-Preis verliehen.

Der Katalog der Werke Tischtschenkos ist umfangreich und enthält u.a. acht numerierte und vier nicht-numerierte Sinfonien, fünf Dante-Sinfonien nach Dantes Göttlicher Komödie, neun Konzerte für Solo-Instrumente, zwei Opern, zwei Ballette, sechs Streichquartette, ein Klavierquintett, elf Klaviersonaten (die siebte mit Glocken) und ein Requiem für Sopran, Tenor und Orchester nach Worten von Anna Achmatowa.

Tischtschenko war ein sehr origineller und eigenständiger Komponist. Nachdem er in den 1960er Jahren als einer der ersten sowjetischen Komponisten mit modernen Kompositionstechniken wie der Zwölftontechnik experimentiert hatte, entwickelte er Anfang der 1970er Jahre einen Personalstil, der von den Spätwerken Schostakowitschs ausgeht. Dessen Einfluss zeigt sich vor allem in der Melodik, Rhythmik und Instrumentation. Tischtschenko bevorzugte freie Formen und schrieb häufig monothematisch. Er blieb der Tradition verpflichtet, weite Passagen seiner Werke sind tonal gehalten und durch recht einfache, nicht selten sogar diatonische Themen gekennzeichnet. Diesen Stellen stehen Abschnitte gegenüber, die moderne Stilmittel wie extreme Dissonanzenanreicherung bis hin zur Clusterbildung verwenden. Auffällig ist ein Hang zu kunstvoller Polyphonie. Manchmal zeigt sich auch der Einfluss von sowjetischem Jazz oder russischer Folklore. Einen besonderen Akzent legte Tischtschenko auf die Rhythmik, die an den Kulminationspunkten oft wild und sehr dominant ist; teilweise setzte er Polymetrik ein. Charakteristisch für seine Tonsprache sind außerdem humoristische bis ironische Elemente. Tischtschenko bevorzugte großformatige, sehr ausgedehnte Gattungen. Seine Orchesterwerke weisen häufig eine große Besetzung auf, die aber meistens eher kammermusikalisch eingesetzt wird. (Quelle: Wikipedia)


Vier neue Ehrenmitglieder

Seit Herbst 2010 hat die Deutsche Schostakowitsch Gesellschaft vier neue Ehrenmitglieder: die Witwe des Komponisten Frau Irina Schostakowitsch und drei Dirigenten, deren künstlerische Tätigkeit eng mit dem Schaffen des großen russischen Komponisten verbunden war: Rudolf Borissowitsch Barschai, Gennadi Nikolajewitsch Roschdestwenski und Kurt Sanderling.

Krzysztof Meyer und Kurt Sanderling. Foto: DeSCHoG

Im November 2010 bei den "Rencontres mit Krzysztof Meyer" im Pariser "Centre International de Documentation Dimitri Chostakovitch" wurde Frau Irina Schostakowitsch die Urkunde der Ehrenmitgliedschaft überreicht. Die Deutsche Schostakowitsch Gesellschaft wollte somit Frau Schostakowitsch für deren herausragenden Verdienste um die Popularisierung und Verbreitung der Werke Schostakowitschs auszeichnen. Das von ihr großartig eingerichtete Dokumentationszentrum in Paris ist öffentlich zugänglich, enthält eine Fülle von Dokumenten, die von den CD-Einspielungen über die Fachliteratur bis zu den Faksimiles der Partituren reicht, und verfügt über einen schönen kleinen Konzertsaal, wo Konzerte regelmäßig organisiert werden. Ein Besuch im Centre de Documentation Chostakovitch lohnt sich allemal. Frau Irina Schostakowitsch hat sich über die Auszeichnung sehr gefreut.

Der deutsche Dirigent Kurt Sanderling (*1912) ist neben dem 2002 verstorbenen Günter Wand der letzte direkte Nachfahre der deutschen romantischen Schule. Er engagierte sich besonders für Werke Gustav Mahlers, Dmitri Schostakowitschs und von Johannes Brahms. Mit Schostakowitsch war er bis zu dessen Tod 1975 eng befreundet.  

Krzysztof Meyer, Präsident der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft, hat am 22. Dezember 2010 Kurt Sanderling besucht und ihm die Urkunde der Ehrenmitgliedschaft überreicht. Das Treffen fand in seinem Berliner Haus statt, in einer außerordentlich netten Atmosphäre. 

Der große Künstler zeigte sich von der Auszeichnung berührt und beim langen Gespräch erzählte sein Engagement und seine Liebe zur Schostakowitschs Musik. Mit großer Leidenschaft sprach er über seine Lieblingswerke, sowie über die persönlichen Kontakte mit dem Komponisten. Die Gedanken und Meinungen des 99-jährigen Künstlers waren imponierend und seine Kenntnis der alten und neueren Musik geradezu erstaunlich. Für Krzysztof Meyer war es ein hochinteressantes, unvergessliches Treffen.


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